Warum sind Omega-3 Fettsäuren so wichtig? Dr. Volker Schmiedel im Interview
Warum sind Omega-3 Fette so gut und so wichtig für uns?
Omega-3 Fettsäuren sind essentiell, also lebensnotwendig für uns und wir brauchen sie für sehr viele Funktionen. Zum Beispiel wirken sie entzündungshemmend, was bedeutet, dass sie vor allen Autoimmunerkrankungen wie Rheuma, Asthma und Neurodermitis schützen. Sie wirken auch Blutdruck senkend und bieten so einen Schutz für die Gefässe.
Ausserdem wirken sie vor allem auch Nerven stabilisierend, so dass wir sie bei allen psychischen und bei allen neurologischen Erkrankungen präventiv und therapeutisch einsetzen können.
Und wo wirkt die Omega-3 Fettsäure nicht?
Es wirkt eigentlich fast überall. Interessanterweise gibt es eine Indikation, wo es nicht wirkt, wo die meisten Leute aber denken, es würde wirken: nämlich gerade das schlechte LDL Cholesterin wird leider nicht durch Omega-3 gesenkt. Ich würde es aber trotzdem bei Fettstoffwechselstörungen einsetzen, denn das gute HDL Cholesterin wird angehoben, und die Triglyceride, also die eigentlichen Blutfette werden durch Omega-3 Fettsäuren auch gesenkt, der Fettstoffwechsel wird also auch positiv beeinflusst.
Wie viel Omega-3 Fettsäuren sollte ich einnehmen, wenn ich präventive oder therapeutische Ziele erreichen möchte?
Die meisten kommen vermutlich mit 2 Gramm reinen Omega-3 Fettsäuren, also 2 Gramm EPA und DHA, den einzelnen Fettsäuren, aus. Das ist allerdings eine ganz grosse Menge. Das wären nämlich etwa 15 normale Fischölkapseln, was wiederum etwa 6 bis 7 grossen Fischölkapseln oder der gleichen Menge an konzentrierten Fischölkapseln oder einem Esslöffel Fischöl oder einem Teelöffel Algen Öl entspricht.
Das sind also die Mengen, die man wirklich braucht, um Wirkungen erzielen zu können. Mit einer, zwei oder drei Fischölkapseln kann man in der Regel nicht viel erreichen.
Über welchen Zeitraum sollte man die Kapseln einnehmen?
Wir benötigen diese Fettsäure von Anbeginn des Lebens an. Das heisst, die schwangere, die werdende Mutter, sollte eigentlich schon Omega-3 für das Kind einnehmen. Ganz kleinen Kindern kann man ein paar Tröpfchen bereits im Möhrenbrei geben.
Kleinkinder dürfen dann auch Bonbons nehmen, mittlerweile gibt es auch Jellies mit Omega-3, und die Erwachsenen können dann wiederum Öl in das Essen oder in das Müsli tun. Da Omega-3 eine essentielle Fettsäure ist, also lebensnotwendig, brauchen wir das eigentlich immer. Ich sage immer, ab minus neun Monate können wir Omega-3 Fettsäuren einnehmen.
Gerade bei Kindern ist ja ADHS ein grosses Thema. Hat denn die Omega-3 Fettsäure da auch eine Wirkung?
Ja, das ist mittlerweile sogar gut erforscht. Es gibt bereits eine ganze Reihe von Studien, die belegen, dass Kinder, die gut mit Omega-3 Fettsäuren ausgestattet sind, deutlich weniger ADHS Beschwerden haben. Bei erkrankten Kindern bessern sich die Beschwerden. Wenn bereits Ritalin eingenommen wird, oder eine andere dieser Substanzen, dann wissen wir, dass diese Substanzen besser wirken, wenn Omega-3 dazu genommen wird.
In den Supermärkten gibt es heute Speziallebensmittel mit Omega-3 Zusätzen drin.
Wenn ich zweimal pro Woche Fisch dazu nehme, brauche ich auch noch eine Substitution mit Fischölpräparaten?
Wenn man wirklich gut versorgt sein möchte, kommt man nicht darum herum. In den von dir angesprochenen Lebensmitteln, dem sogenannten «functional food», sind mengenmässig viel zu wenig Omega-3 Fettsäuren enthalten. Meistens ist in diesen Nahrungsmitteln eben auch Leinöl enthalten, also die pflanzliche Omega-3 Fettsäure. Leinöl ist nicht schlecht, aber es hat leider alleine nicht dieselbe Wirkung wie die Fischfettsäuren. Das funktioniert von der Menge und von der Qualität her nicht. Wir sind schon auf die Omega-3 Fettsäuren aus den maritimen Quellen angewiesen.
Wie können qualitativ gute Präparate unterschieden oder erkannt werden?
Die Produkte brauchen im Prinzip eine Laboruntersuchung. Allerdings muss man die entsprechenden Präparate gar nicht in ein kommerzielles Labor einsenden, sondern wir haben ja unser eigenes Labor dabei. Jeder hat eine Nase, jeder hat einen Mund.
Ich rate meinen Patienten immer, sie mögen doch bitte mal eine Kapsel aufbeissen. Wenn diese Kapsel dann wirklich sehr unangenehm nach Fisch schmeckt und riecht, richtig tranig, richtig ranzig, dann wissen wir, dieses Öl ist verdorben, das darf auch gar keinen Fall genommen werden. Ein richtig gutes, frisches Fischöl schmeckt fast nicht nach Fisch. Wir können also die Qualität selber erkennen.