Die Anti-Entzündungspflanze aus dem Garten
Von Barbara Simonsohn
Die Schwarze Johannisbeere ist wegen dem hohen Vitamin-C-Gehalt ihrer Früchte bekannt. Wussten Sie, dass ihre Blätter noch heilkräftiger sind? Und zwar allgemein, aber ganz besonders, was die antientzündliche Wirkung betrifft.
Schon Hildegard von Bingen nutzte ihre vielseitigen Wirkstoffe gegen Entzündungen, Gicht und Erschöpfung – heute erlebt die heimische Superfrucht eine verdiente Renaissance in der Naturheilkunde.
🫐 Jahrtausende in Vergessenheit: Ihr Weg vom Wildwuchs in unsere Gärten
Die Herkunft der Roten und Schwarzen Johannisbeere liegt in Eurasien, die ältesten Relikte, nämlich Johannisbeersamen, wurden in Dänemark gefunden und stammen aus dem Neolithikum, der Jungsteinzeit ab 9500 Jahre vor Christi Geburt.
Die Heimat der Schwarzen Johannisbeere sind europäisch-asiatische Waldgebiete der gemässigten Zonen der Nordhalbkugel. Oft kommt sie wildwachsend in Erlenbrüchen vor.
Während man lange Zeit nur die wildwachsenden Johannisbeeren verwendete, begann man ab dem 11. Jahrhundert, sie vorerst in Klostergärten zu kultivieren. Die rote Johannisbeere wird in grösserem Umfang seit dem 15. Jahrhundert, die schwarze Johannisbeere seit dem 16. Jahrhundert in Gärten gezogen.
Die schwarzen Johannisbeeren sind den roten oder weissen von den Inhaltsstoffen her und vom medizinischen Standpunkt aus überlegen. Besonders gesund sind die dunklen Farbstoffe oder Anthozyane in Beeren und Blättern, aber auch der hohe Vitamin-C-Gehalt der Beeren und der hohe Gehalt an bioaktiven Substanzen in den Blättern.
👉🏼 Hildegard von Bingen wusste es längst: Volksmedizinische Anwendungen im Überblick
Alle Pflanzenteile der schwarzen Johannisbeere sind heilkräftig und wurden daher bereits in der Volksmedizin verwendet. Hildegard von Bingen schätzte die Heilkraft von Beeren und Blättern und empfahl sie zur Behandlung hauptsächlich von Gicht, Rheuma, Harnwegserkrankungen sowie zur Entgiftung und nutzte die Blätter der Pflanze für Aufgüsse und Salben. Sie schätzte ausserdem ihre Fähigkeit, die Wirkung anderer Heilpflanzen zu verstärken.
Die Beeren sind mit 180 Milligramm pro 100 Gramm besonders Vitamin-C-haltig und wurden von unseren Vorfahren getrocknet als Vitaminquelle im Winter genutzt.
Johannisbeerblätter ergeben einen schmackhaften Tee, der in der Volksmedizin gegen chronische Venenerkrankungen, Rheuma, Wassersucht, Arthrose, Durchfall, Arthritis, Gicht, Harnsteine, Erkältungen, Husten und Migräne verabreicht wird.
Bei leichtem Durchfall wurden und werden auch fermentierte Blätter eingesetzt, die ein vorzügliches Aroma aufweisen. Auch äusserlich wurden die Blätter der schwarzen Johannisbeere zur Behandlung von Wunden verwendet.
🍋 Dreimal mehr Vitamin C als Zitronen – die Nährstoffdichte der Schwarzen Johannisbeere
Schwarze Johannisbeeren sind top, was bioaktive Substanzen und antioxidatives Potential betrifft, und zum Beispiel Blaubeeren, roten Johannisbeeren, Kirschen und Pflaumen weit überlegen . Die Früchte der schwarzen Johannisbeere enthalten dreimal so viel Vitamin C wie die gleiche Gewichtsmenge Zitronen und sind mit 177 Milligramm Vitamin C auf 100 Gramm wahre Vitamin-C-Bomben. Nur 56 schwarze Johannisbeeren decken den Tagesbedarf.
🌱 Das Geheimnis liegt im Blatt: Flavonoide, OPC und ätherische Öle
Die Blätter der schwarzen Johannisbeere sind sehr gesund. Erst einmal sind sie sehr nährstoffreich und enthalten Kalium, Calcium, Magnesium, Phosphor, Eisen sowie Spurenelemente wie Kupfer, Zink, Mangan und Bor. Eine ausreichende Versorgung mit Spurenelementen wie Bor trägt zur Prophylaxe von Entzündungsprozessen wie Arthrose und Arthritis bei.
Das therapeutische Potenzial der Blätter ist durch die hohe antioxidative Aktivität der Blätter-Polyphenole, vor allem der Flavonolglykoside, um rund ein Drittel höher als das der Beeren. Mehr als 170 Inhaltsstoffe wurden bisher identifiziert, darunter die meisten mit gesundheitlichem Mehrwert. Die Blätter der schwarzen Johannisbeere enthalten bis zu 1,2 Prozent Flavonoide, bioaktive Substanzen, darunter besonders viel Quercetin und Kämpferol, aber auch Myricetin. Kämpferol als auch Myricetin besitzen antibakterielle und antientzündliche Eigenschaften.
In den Blättern finden sich weitere Polyphenole wie oligomere Proanthocyanidine oder OPC, das sind Flavanole, die man auch von den Schalen und Kernen der dunkelblauen Weintraube her kennt und die massgeblich für die antientzündliche Wirkung der Johannisbeerblätter verantwortlich sind. Sie nehmen es an der Wirksamkeit mit entzündungshemmenden Medikamenten wie Indometacin und Aspirin auf.
OPC gehören zu den stärksten Fängern freier Radikale überhaupt, ihr antioxidatives Potential ist 20-mal höher als das von Vitamin E und 50-mal so hoch wie das von Vitamin C. Die Blätter der schwarzen Johannisbeere enthalten ausserdem ätherische Öle aus Mono- und Sesquiterpenen und Phenolcarbonsäuren wie Kaffeesäuren, die allesamt antioxidative und antientzündliche Eigenschaften aufweisen. Ihre Anthozyane schützen die Gefässe vor dem Angriff freier Radikale und damit vor Entzündungen, was auch für die Herzgesundheit wichtig ist. Die Polysaccharide in den Blättern binden sich an bestimmte Enzyme im Körper und wirken dadurch antioxidativ und entzündungshemmend.
🌿 Die Knospentherapie: Warum auch das Embryo der Blätter heilkräftig ist
Auch die Blattknospen der schwarzen Johannisbeere, sozusagen das Embryo der Blätter, sind gesund und spielen eine zentrale Rolle in der Gemmo- oder Knospentherapie.
Das Mazerat der Blattknospen dient zur Behandlung von Allergien und Entzündungen sowie Vergiftungen und wirkt neuroprotektiv. Die Inhaltsstoffe der Blattknospe werden als Gemmomazerat, erhältlich im Reformhaus, wegen ihrer entzündungshemmenden Wirkung bei allergischem Asthma, Rheuma, Allergien und Atemwegserkrankungen eingesetzt.
Das ätherische Öl regt die Produktion von Endorphinen und Enkephalinen an. Das sind Botenstoffe, die schmerzlindernd auch bei Entzündungen wirken.
🔥 So hilft die Schwarze Johannisbeere bei Entzündungsfeuern im Körper
In den Blättern der schwarzen Johannisbeere findet sich das Spurenelement Bor mit 0,034 bis 0,06 Milligramm pro Gramm. Studien belegen, dass Bor zur Prophylaxe und Therapie von Entzündungsprozessen in den Gelenken und Knochen beiträgt. Bor reguliert und optimiert entzündliche Prozesse und senkt Entzündungsmarker.
Es sind die Antioxidantien in den Blättern der schwarzen Johannisbeere, die freie Radikale abfangen und unschädlich machen – und so aktiv Entzündungen eindämmen.
Antioxidantien wirken nicht nur therapeutisch, sondern auch prophylaktisch, indem sie Gewebeschäden reparieren, die durch freie Radikale verursacht werden, und damit Entzündungen vermeiden helfen. Polyphenole wie in den Blättern der schwarzen Johannisbeeren sind die stärksten und wirksamsten Antioxidantien, die es gibt, weil sie gegen ein grosses Spektrum von freien Radikalen wirksam sind. Polyphenole sind sogar in der Lage, die Wirkung von weiteren Antioxidantien zu verstärken wie bestimmter fettlöslicher Vitamine wie Vitamin E .
Die Blätter der schwarzen Johannisbeere sind besonders reich an Polyphenolen wie Anthozyaninen, Phenolsäuren, Flavonoiden und Proanthocyanidinen.
🔬 Ebenbürtig mit Aspirin, aber ohne Nebenwirkungen: Was Studien zeigen
Gesunde Freiwillige bekamen einen Extrakt aus Anthozyanen der Blätter der schwarzen Johannisbeere, und ihre Entzündungswerte gingen signifikant zurück. Die Konzentration von proentzündlich wirkenden Mediatoren sank ebenfalls (1).
Proanthocyanidine unterdrücken die Infiltration von Leukozyten und die Überproduktion von Stickstoffmonoxiden in Entzündungsprozessen.
Ein Blattextrakt erwies sich als wirksam zur Bekämpfung des multiresistenten Krankenhauskeims MRSA und zur Prophylaxe von Zahnfleischentzündungen (2).
Eine Übersichtsstudie zeigt die antioxidative und antientzündliche Wirkung der Blätter der schwarzen Johannisbeere (3).
Die Flavonoide in den Blättern der schwarzen Johannisbeere wirken der Arteriosklerose entgegen, die mit Entzündungen einhergeht und die Hauptursache von Bluthochdruck darstellt und damit die Gefahr von Schlaganfall und Herzinfarkt erhöht (3).
Extrakte aus den Blättern der schwarzen Johannisbeere erwiesen sich als ebenbürtig in der Wirkung wie die von antientzündlichen Medikamenten, aber ohne die bei letzteren beobachteten Nebenwirkungen wie das Entstehen von Geschwüren, und zwar auch bei Langzeitanwendung (4).
Die Autoren der Übersichtsstudie empfehlen aufgrund der hohen Konzentration von bioaktiven Stoffen Extrakte aus den Blättern der schwarzen Johannisbeere als Nahrungsergänzungsmittel zur Prophylaxe von Entzündungen und weiteren Zivilisationserkrankungen und auch zu ihrer Behandlung als Alternative zu Medikamenten, die mit teils gravierenden Nebenwirkungen einhergehen (5).
🧐 Rheuma, Arthrose, Herz: Blätter der Schwarzen Johannisbeere im Forschungsfokus
Untersuchungen am Tiermodell erbrachten durch Proanthocyanidine aus Blättern einen signifikanten Rückgang von Symptomen der Kniearthrose, den Rückgang der Migration von Neutrophilen und den Rückgang von Entzündungsmarkern (6).
Die Blätter der schwarzen Johannisbeere sind als Therapeutikum bei Rheuma anerkannt (7).
Forscher sind beeindruckt von der Fülle der Antioxidantien in den Blättern der schwarzen Johannisbeere, welche die der Früchte in den Schatten stellt. Die Blätter haben etwa das Fünffache an antioxidativem Potential wie die Johannisbeeren (8).
Entsprechend ihrer höheren antioxidativen Kapazität wirken Blätter wesentlich stärker antientzündlich (8). Blattextrakte erwiesen sich als 18-mal so wirksam wie Fruchtextrakte, das Ranzigwerden von Lipiden zu unterbinden, indem die Kettenreaktion freier Radikale blockiert wurde (8).
Blätter der schwarzen Johannisbeere, so die Forscher, sollten als Nahrungsergänzung in der menschlichen und tierischen Ernährung eine grössere Rolle spielen.
Studienübersicht
(1) A. Karlsen u.a., «Anthocyanins Inhibit Nuclear Factor-kB Activation in Monocytes and Reduce Plasma Concentrations of Pro-Inflammatory Mediators in Healthy Adults», 2007, J. Nutr. 2007, 137, 1951–1954)
(2) Jens-Martin Träder, «Kremo 058 als Phytotherapie bei Infektionen mit MRSA», Erfahrungsheilkunde, Haug-Verlag 3/2014 und Marie-Theres Weber u.a., «Application of Plant Extracts for the Prevention of Dental Erosion: An in situ/in vitro study», 2015, Caries Res. 49:477–487 über Kremo 058 als Prophylaxe von Zahnfleischentzündungen und Zahnerosion)
(3) E. Y. Izteleuova u.a., «The Current State of Knowledge on Ribes spp. (Durrant) Plants», 2025, «Plants», 14, 3196
(4) C. Declume, 1989, «Anti-inflammatory evaluation of a hydroalcoholic extract of black currant leaves (Ribes nigrum)», J. Ethnopharmacol. 27, 91–98
(5) M. Staszowska-Karkut u.a., a.a.O.
(6) N. Garbacki u.a., «Inhibitory effects of proanthocyanidins from Ribes nigrum leaves on carrageenan acute inflammatory reactions in rats», 2004, BMC Pharmacology, 4(1), 1–9
(7) H. Schilcher und S. Kammerer, a.a.O., S. 118
(8) A. E. Untea u.a., «Blackcurrant (Fruits, Pomace, and Leaves) Phenolic Characterization before and after in Vitro Digestion, Free Radical Scavenger Capacity, and Antioxidant Effects on Iron-Mediated Lipid Peroxidation», 2024, Foods 2024 May 13;13(10):1514
Barbara Simonsohn (Jahrgang 1954) studierte Sozialwissenschaften und schloss ihr Studium als Politologin ab. Zehn Jahre hintereinander war sie in der Findhorn-Gemeinschaft in Schottland, wo sie nicht nur im Garten mitarbeitete, sondern auch einige ganzheitliche Heilmethoden lernte.
Sie ist Ernährungsberaterin, Expertin für “Super-Foods”, Reiki-Ausbilderin und Autorin zahlreicher Bücher.