Heilkunde

Schwarze Johannisbeere – ein Power-Paket aus Beere, Blatt und Knospe

Schwarze Johannisbeere - ein Power-Paket aus Beere, Blatt und Knospe

Wie die Schwarze Johannisbeere Körper und Seele stärkt

Von Barbara Simonsohn

Die schwarze Johannisbeere (Ribes nigrum) ist weit mehr als eine aromatische Beere – sie vereint in Frucht, Blatt und Knospe beeindruckende Heilkräfte. Dank ihres aussergewöhnlich hohen Gehalts an Vitamin C, Anthozyanen und Polyphenolen stärkt sie Immunsystem, Herz und Nerven auf natürliche Weise.

Schon Hildegard von Bingen nutzte ihre vielseitigen Wirkstoffe gegen Entzündungen, Gicht und Erschöpfung – heute erlebt die heimische Superfrucht eine verdiente Renaissance in der Naturheilkunde.

🫐 Von der Wildpflanze zur Heilbeere – die spannende Geschichte der Schwarzen Johannisbeere

Die Herkunft der Roten und Schwarzen Johannisbeere liegt in Eurasien, die ältesten Relikte, nämlich Johannisbeersamen, wurden in Dänemark gefunden und stammen aus dem Mesolithikum, der Mittelsteinzeit nach der letzten Eiszeit. Die Heimat der Schwarzen Johannisbeere sind europäisch-asiatisch Waldgebiete der gemässigten Zonen der Nordhalbkugel. Oft kommt sie wildwachsend in Erlenbrüchen vor.

Da die Johannisbeere nicht im Süden wächst, fehlt sie in der Literatur des Klassischen Altertums. Mittelalterliche Mönche prägten den lateinischen Begriff ribes in Anlehnung an ribás, der Bezeichnung einer Rhabarberart, die im Libanon und im Iran wächst.

Der deutsche Name Johannisbeere beruht darauf, dass die ersten Beeren rund um den Johannistag am 24. Juni reif werden. In manchen Gegenden heisst die Johannisbeere Gichtbeere, weil sie Gichtanfälle vorbeugt. In der Schweiz wird sie auch Träubli genannt, weil Johannisbeeren als Ersatz für Weintrauben dienten. In Frankreich nennt man Johannisbeeren Cassis nach der Cassia, einer ebenfalls leicht bittere Pflanze aus der Gattung der Zimtgewächse. Weitere deutsche Namen sind Fieberbeere und Gichttraube.

Während man lange Zeit nur die wildwachsenden Johannisbeeren verwendete, begann man ab dem 11. Jahrhundert, sie vorerst in Klostergärten zu kultivieren. Die rote Johannisbeere wird in grösserem Umfang seit dem 15. Jahrhundert, die schwarze Johannisbeere seit dem 16. Jahrhundert in Gärten gezogen.

Besonders beliebt ist die schwarze Johannisbeere in Grossbritannien. Im zweiten Weltkrieg förderte die Regierung den Anbau der Vitamin C-reichen Früchten, weil die Versorgung mit Zitrusfrüchten immer schwieriger wurde.  Die schwarzen Johannisbeeren sind den roten oder weissen von den Inhaltsstoffen her und vom medizinischen Standpunkt aus überlegen. Besonders gesund sind die dunklen Farbstoffe oder Anthozyane, aber auch der hohe Vitamin C-Gehalt der Beeren. Heilkräftig sind auch die Blätter der Schwarzen Johannisbeere.  

👉🏼 Erkennungsmerkmale und Besonderheiten der Schwarzen Johannisbeere

Die schwarze Johannisbeere ist ein sommergrüner, stachelloser Strauch und erreicht bis zwei Metern Höhe. Sie verströmt im Gegensatz zur roten oder weissen Johannisbeere einen intensiven Geruch. Die Blätter werden bis zu zehn Zentimeter breit und bilden drei bis fünf Lappen mit gezähntem Rand. Oberseits sind sie kahl, unterseits behaart und mit zahlreichen gelblichen Drüsen ausgestattet.

Im April und Mai hängen die behaarten Blüten in Trauben von den Zweigen. Die Blütenstände bestehen aus gelblich-grünen, am Rand braun-rot oder magenta gefärbten Blüten, aus denen sich die charakteristischen tiefschwarzen Beeren entwickeln, die bis zu einem Durchmesser von zwölf Millimetern gross werden.     

👏🏻 Hausmittel mit Geschichte: Die Schwarze Johannisbeere bei Rheuma, Gicht und Erkältungen

Alle Pflanzenteile der schwarzen Johannisbeere sind heilkräftig und wurden daher bereits in der Volksmedizin verwendet. Hildegard von Bingen schätzte die Heilkraft von Beeren und Blättern und empfahl sie zur Behandlung hauptsächlich von Gicht, Rheuma, Harnwegserkrankungen sowie zur Entgiftung. Sie nutzte die Blätter der Pflanze für Aufgüsse und Salben. Ausserdem schätzte sie ihre Fähigkeit, die Wirkung anderer Heilpflanzen zu verstärken.  

Die Beeren sind mit 180 Milligramm pro 100 Gramm besonders Vitamin C-haltig und wurden von unseren Vorfahren getrocknet als Vitaminquelle im Winter genutzt. Der Saft aus reifen schwarzen Johannisbeeren wird bei Rheuma und Gicht, Husten, Keuchhusten, Heiserkeit und Entzündungen im Mund- und Rachenbereich eingesetzt. Ein Aufguss junger Wurzeln wird seit alters her zur Behandlung von Fieber verwendet.

Ein Rindenabsud hilft bei Nierensteinen, Ödemen und Hämorrhoiden.

Johannisbeerblätter ergeben einen schmackhaften Tee, der in der Volksmedizin gegen chronische Venenerkrankungen, Rheuma, Wassersucht, Arthrose, Durchfall, Arthritis, Gicht, Harnseiten, Erkältungen, Husten und Migräne verabreicht wird. Bei leichtem Durchfall wurden und werden auch fermentierte Blätter eingesetzt, die ein vorzügliches Aroma aufweisen.

Äusserlich wurden die Blätter der schwarzen Johannisbeere zur Behandlung von Wunden verwendet.    

Tee aus schwarzen Johannisbeeren
Tee aus schwarzen Johannisbeeren

🍒 Antioxidatives Wunder: Warum Schwarze Johannisbeeren Blaubeeren und Kirschen übertreffen

Schwarze Johannisbeeren sind top, was bioaktive Substanzen und antioxidatives Potential betrifft. Sie sind Blaubeeren, roten Johannisbeeren, Kirschen und Pflaumen weit überlegen.

Die Früchte der schwarzen Johannisbeere enthalten drei Mal so viel Vitamin C wie die gleiche Gewichtsmenge Zitronen und sind mit 177 Milligramm Vitamin C auf 100 Gramm wahre Vitamin-C-Bomben. Nur 56 schwarze Johannisbeeren decken den Tagesbedarf.

Die Flavonoide in der Frucht schützen vor Oxidation, halten Herz und Gefässe gesund, wirken der Entwicklung verschiedener Krebsarten entgegen und harmonisieren den Blutzuckerspiegel. Anthozyane, blaue Farbstoffe, wirken entzündungshemmend, lösen Ablagerungen in den Arterieninnenwänden auf, fördern den Knochenaufbau, beugen Thrombosen und Arteriosklerose vor und wirken antibakteriell und antiviral gegenüber pathogenen Bakterien und Viren.

Sogar der Presskuchen aus der Saftgewinnung hat antivirale Eigenschaften. Schwarze Johannisbeeren enthalten das Zehnfache an Anthozyanen (wirken als starke Antioxidantien) wie rote Johannisbeeren. 

Schwarze Johannisbeeren sind eine hervorragende Quelle von Vitamin E, 700 Gramm würden den Tagesbedarf decken. Sie enthalten viel Calcium, Kalium, Magnesium und haben nur 40 Kilokalorien pro 100 Gramm.

Beeren der schwarzen Johannisbeere verbessern kognitive Funktionen wie Aufmerksamkeit und Arbeitsgedächtnis, indem sie die Aktivität von MAO-B hemmen, einem Enzym, das für den Abbau von Neurotransmittern wie Dopamin und Serotonin verantwortlich ist. 

🌿 Das enorme Heilpotenzial der Johannisbeerblätter

Wussten Sie, wie gesund die Blätter der schwarzen Johannisbeere sind? Das therapeutische Potenzial der Blätter ist durch die hohe antioxidative Aktivität der Blätter-Polyphenole, vor allem der Flavonolglykoside, um rund ein Drittel höher als das der Beeren.

Die Blätter der schwarzen Johannisbeere enthalten bis zu 1,2 Prozent Flavonoide, bioaktive Substanzen, darunter besonders viel Quercetin und Kämpferol, aber auch Myricetin. Kämpferol als auch Myricetin besitzen antibakterielle und antientzündliche Eigenschaften.

In den Blättern finden sich weitere Polyphenole wie oligomere Proanthocyanidine oder OPC, das sind Flavanole, die man auch von den Schalen und Kernen der dunkelblauen Weintraube her kennt. Diese Vorstufen von Gerbstoffen dienen als UV-Schutz und sind kraftvolle Antioxidantien, die Krebszellen in Schach halten und Alterungserscheinungen verlangsamen. OPC gehören zu den stärksten Fängern freier Radikale überhaupt, ihr antioxidatives Potential ist 20-Mal höher als das von Vitamin E und 50-Mal so hoch wie das von Vitamin C.

Schwarze Johannisbeerblätter enthalten ausserdem ätherische Öle aus Mono- und Sesquiterpenen und Phenolcaronsäuren wie Kaffeesäuren, die allesamt antioxidative Eigenschaften aufweisen. Ihre Anthozyane wirken gefässprotektiv, sie schützen also die Gefässe, was auch für die Herzgesundheit wichtig ist. 

🌱 Kleine Samen, grosse Wirkung: Die Schwarze Johannisbeere als Quelle wertvoller Omega-3-Fettsäuren

Die Samen der schwarzen Johannisbeere stecken voller Omega-3-Fettsäuren. Aus Omega-3-Fettsäuren werden Eicosanoide, hormonähnliche Botenstoffe gebildet, die Entzündungen hemmen, die Blutgefässe und damit auch das Herz schützen sowie bei rheumatoider Arthritis und Gelenkkapselentzündungen helfen.

Weiter findet sich Lecithin und beta-Sitosterol im Johannisbeer-Samenöl. Lecithin ist wichtig für die Bildung von Nervenzellen und für ein gutes Gedächtnis, und beta-Sitosterol senkt einen zu hohen Cholesterinspiegel und stärkt die Blasenmuskulatur.

Das Samenöl der schwarzen Johannisbeere stärkt das Immunsystem. Frauen, die während der Schwangerschaft Johannisbeer-Samenöl erhalten hatten, hatten mehr Interferon gamma in der Muttermilch als die Vergleichsgruppe. Interferon gamma ist eine Signalsubstanz, die bei der Immunantwort und Bekämpfung von Infektionen eine zentrale Rolle einnimmt. 

🫐 Die Knospe als Kraftquelle: Johannisbeeren-Mazerat für Hormonsystem, Nerven und gute Laune

Auch die Knospen der schwarzen Johannisbeere sind gesund und spielen eine zentrale Rolle in der Gemmo- oder Knospentherapie. Das Mazerat der Blattknospen dient zur Behandlung von Allergien und Entzündungen sowie Vergiftungen und wirkt neuroprotektiv.

Die Inhaltsstoffe der Blattknospe stärken die Nebennierenrinde, die wichtige Hormone produziert. Chanel Nummer 5 enthält das ätherische Öl der Blütenknospen, was eine euphorisierende und aphrodisierende Wirkung besitzt. Das ätherische Öl regt die Produktion von Endorphinen und Encephalinen an, Botenstoffen, die schmerzlindernd und stimmungsaufhellend wirken.

In der Aromatherapie wird das ätherische Öl der schwarzen Johannisbeere bei Stress, drohendem Burnout und depressiven Verstimmungen angewendet. Das ätherische Öl fördert die Noradrenalinsynthese, wodurch Antriebsschwäche und schwacher Immunabwehr entgegengewirkt werden.

🍞 So nutzen Sie die Heilkraft der schwarzen Johannisbeere – von Tee bis Superfood-Brot

Sie können frische oder getrocknete Blätter als Tee aufbrühen, trinken, damit den Mund spülen oder als Badezusatz bei Hautproblemen verwenden. Studien belegen die antibakterielle Wirkung sogar gegenüber MRSA-Keimen und zur Remineralisierung der Zahnsubstanz.

Backen Sie sich doch mal leckeres glutenfreies Superfood-Brot mit den Blättern der schwarzen Johannisbeere. Die Früchte können Sie als frische Beeren oder Saft geniessen oder als hoch konzentrierten Extrakt verwenden. 

„Denn das Gute liegt so nah“. Wir brauchen nicht auf exotische Länder schauen, um Superfoods wie die schwarze Johannisbeere zu finden. Noch schläft sie einen Dornröschenschlaf, was das Wissen um ihre gesundheitliche Super-Power betrifft. In meinen Augen verdient die schwarze Johannisbeere eine baldige Renaissance, weil sie wie geschaffen ist für den Menschen der heutigen Zeit, der von Immunschwäche und Burnout sowie von neurodegenerativen Erkrankungen bedroht ist. Beere, Blatt, Knospe: alle Teile fördern die Gesundheit. 

Studienübersicht

Enura Y. Izteleuova u.a., „The Current State of Knowledge on Ribes spp. ( Currant) Plants, “Plants” 2025, 14, 3196.

 Jens-Martin Träder, “Kremo 058 als Phytotherapie bei Infektionen mit MRSA“, Erfahrungsheilkunde, Haug-Verlag 3/2014)

Marie-Theres Weber u.a., „Application of Plant Extracts for the Prevention of Dental Erosion: An in situ/in vitro study “, Caries Res. 2015:;49:477-487 (“Kremo 058” von Dr. Pandalis zur Stärkung des Zahnschmelzes und Förderung der Zahngesundheit)

Xi Yu u.a., “The Mechanism of Relieving Diarrheal Irritable Bowel Syndrome Using Polyphenols from Ribes nigrum L. Based on a Network Pharmacology Analysis and 16S rRNA Sequencing”, Foods 2024, 13, 3868. (Wirkung gegen Durchfall)

Hiroshi Ohguro u.a., “Two-Year Randomized, Placebo-Controlled Study of Black Current Anthocyanins on Visual Field in Glaucoma”, Ophthalmologica 2012;228:26-35 (Wirkung vom Rubyni-Extrakt aus schwarzen Johannisbeeren bei Grünem Star)

Literatur

Margot Fischer, „Johannisbeere“, Mandelbaums Kleine Gourmandisen Nr. 30, Mandelbaum Wien und Berlin 2020

Fritz Hertel, „Die schwarze Johannisbeere“, o.J., Lehrmeister-Bücherei Nr. 234, Albrecht Philler Verlag Minden

Barbara Simonsohn, „Traube und Weinrebe. Heilpflanze der Volksmedizin“, Mankau, Unterammergau 2023    

„Zusammensetzung der Polyphenole und die biologische Wirkung von sechs ausgewählten kleinen dunklen Früchten“, Lebensmittelchemie Jahrgang 391, 15.10.2022

Enzymgestützte Extraktion von Anthocyanen und anderen phenolischen Verbindungen aus der schwarzen Johannisbeere (Ribes nigrum L.) Presskuchen: Von der Verarbeitung bis zur Bioaktivität“, Lebensmittelchemie, Jahrgang 391, 15.10.2022

Barbara Simonsohn

Barbara Simonsohn (Jahrgang 1954) studierte Sozialwissenschaften und schloss ihr Studium als Politologin ab. Zehn Jahre hintereinander war sie in der Findhorn-Gemeinschaft in Schottland, wo sie nicht nur im Garten mitarbeitete, sondern auch einige ganzheitliche Heilmethoden lernte. 

Sie ist Ernährungsberaterin, Expertin für “Super-Foods”, Reiki-Ausbilderin und Autorin zahlreicher Bücher.

Webseite von Barbara Simonsohn

Heilkunde Newsletter

Treten Sie dem Heilkunde Universum bei

Möchten Sie kostenlose Tipps für einen gesunden Lebensstil und exklusive Produktempfehlungen? Dann melden Sie sich hier zu unserem Newsletter an und erhalten Sie als Willkommensgeschenk einen Heilkunde Artikel: