Wie Pestizide unsere Gesundheit beeinflussen: Ein tiefgreifender Blick auf die Risiken und Folgen
Manche Pestizide haben negative Auswirkung auf die nützlichen Mikroorganismen im Boden, sowie in unserem Darmtrakt [3]. Unser Immunsystem wird beeinträchtigt. Die synthetischen Pestizide führen ohne Frage kurzfristig zu höheren Erträgen und erleichtern die Arbeit an den riesigen Feldern.
Neben den erwünschten Auswirkungen auf unerwünschte Pflanzen oder Schädlinge können sich Pflanzenschutzmittel in der Natur anreichern. Immer mehr Studien beweisen, dass Menschen über Luft, Wasser und Lebensmittel zunehmend mit synthetischen Pestiziden aus der intensiven Landwirtschaft in Kontakt kommen[4].
Können diese Substanzen eine negative Auswirkung auf deine Gesundheit haben?
Die Agrochemie Moleküle werden nach einem aufwendigen Studienprotokoll laufend geprüft. Studienprotokolle und Entscheid der Behörde sind mehrheitlich vertraulich und ein Langzeitmonitoring wie bei Medikamenten ist für Pestizide nicht vorgesehen.
Schädlinge und unerwünschte Beikräuter, die mit den Pestiziden bekämpft sind, werden mit der Zeit resistent dagegen. Das führt erstens zu der Entwicklung von neuen immer giftigeren Produkten und zweitens werden oft mehrere Substanzen in einem Cocktail benutzt. Diese Cocktails werden im Zulassungsverfahren nicht überprüft und genauso wenig auch die Hilfsmittel[3, 4].
Schwermetallbelastung durch Pestizide
Mengenmässig ist die chemische Verbindung bekannt als ”žGlyphosat“ schon seit Jahren weltweit die bedeutendste Hauptkomponente von den Herbiziden. Glyphosat wurde für eine Breitband Unkrautbekämpfung schon seit 1970 benutzt. Mehrere Studien haben gezeigt, dass manche Glyphosat basierte Herbizide mit Arsen, Blei, Chrom, Cobalt und Nickel belastet sind. Diese Metalle stören einerseits das menschlichen Hormonsystem und andererseits wirken sie direkt toxisch an verschiedene Organe [5].
Pestizide, Insekte und Biodiversität
Als Umweltmediziner bin ich gleichzeitig leidenschaftlicher Bio-Imker und sehe Natur und Menschen als eine eng verbundene Einheit, ein faszinierendes Kontinuum. Auch wenn ganz winzig, Insekten haben für die Gesundheit der Erde eine enorme Bedeutung (Bestäubung, Basis der Ernährungskette für viele Organismen und damit enorm wichtig für die Biodiversität).
In den letzten Jahrzehnten haben wir weltweit eine ganz dramatische Reduktion der Insekten-Population beobachtet [6-8]. In Deutschland in den Naturschutzgebieten wurde z.B. eine zirka 80%ige Reduktion von allen fliegenden Insekten zwischen 1989 und 2016 objektiviert, mit ähnlichen Beobachtungen an mehreren Gebieten der ganzen Erde.
Pestizide spielen da eine gravierende Rolle. Gewisse Pestizide beschädigen das Immunsystem, die Reproduktionsfähigkeit und die Navigation von den Insekten. Schockierend ist die Tatsache, dass die immer noch in vielen Ländern verwendeten Neonicotinoide Pestizide sogar bis zu 10.000x toxischer für die Bienen sind als das schon seit 1972 in der Schweiz verbotene toxische Organochloropestizid DDT (Dichlorodiphenyltrichlorethan) [7, 8].
Die direkten Auswirkungen von Pestiziden auf die menschliche Gesundheit
Gesundheit von Ökosystemen, Menschen und Tieren hängen eng zusammen. Wenn wir toxische Substanzen in die Umwelt bringen, gefährden wir auch unsere Gesundheit. Pestizide reichern sich durch die Luft, Nahrungsmittel oder Wasser im Körper an. Viele Pestizide reduzieren lebensnotwendige MikronährstoffInhalte in den behandelten Pflanzen.
Gut zu wissen…
Ohne bakterielle Vielfalt im Darm steigt die Inzidenz von Autoimmunkrankheiten und Lebensmittelallergien[1,2].
- Kinder nehmen mehr Pestizide als Erwachsene auf, weil sie für Ihre Entwicklung verhältnismässig mehr Nahrung benötigen. Die Kinder sind sogar schon während der Schwangerschaft möglicherweise den Pestiziden ausgesetzt. Gewisse hormonaktive synthetische Pestizide können die Entwicklung des Gehirns sowie die sexuelle Entwicklung von Kindern negativ beeinträchtigen [9].
- Manche Hinweise deuten darauf hin, das gewisse Pestizide einen negativen Einfluss auf die Intelligenz und Konzentrationsfähigkeit von den Kindern und sogar auf die Entwicklung vom Autismus haben können [4,10].
- Pestizide können bei den Erwachsenen die Entstehung von vielen Erkrankungen begünstigen. Zu diesen zählen unter anderem z.B. die zwei häufigsten neurodegenerativen Erkrankungen Alzheimer, Demenz und Morbus Parkinson (”žSchütttellähmung“) [11].
- ”žZivilisationskrankheiten“ wie Übergewicht, Zuckerkrankheit, Krebs oder Fruchtbarkeit-Störungen können vorkommen [4, 12, 13].
Lösungsansätze für eine nachhaltige Landwirtschaft und Gesundheitsvorsorge
In der biologischen und biodynamischen Landwirtschaft werden vor allem natürliche, in der Natur vorkommende Pestizide eingesetzt. Diese sind (mit der Ausnahme von Kupfer) in einer kurzen Zeit biologisch abbaubar und kumulieren im Ökosystem nicht.
Dagegen sind die synthetischen Pestizide (wie z.B. Neonicotinoide, Organochlorpestizide oder Organophosphorpestizide) schwierig abbaubar und haben eine negative Auswirkung auf die Biodiversität der Natur und auf die Gesundheit.
Es ist höchste Zeit, die problematischen giftigen Substanzen von den Äckern zu verbannen und wieder im Einklang mit der Natur zu leben [4]. Jeder von uns kann einen positiven Beitrag für die eigene Gesundheit, nächste Generationen und die Erde leisten mit dem Vorzug von den biodynamischen Lebensmitteln und mit einer umweltbewussten Lebensweise.
Quellen:
[1] Xu H, Liu M, Cao J, Li X, Fan D, Xia Y, Lu X, Li J, Ju D, Zhao H. The Dynamic Interplay between the Gut Microbiota and Autoimmune Diseases. J Immunol Res. 2019 Oct 27;2019:7546047. doi: 10.1155/2019/7546047. PMID: 31772949; PMCID: PMC6854958.
[2] Lee KH, Song Y, Wu W, Yu K, Zhang G. The gut microbiota, environmental factors, and links to the development of food allergy. Clin Mol Allergy. 2020 Apr 2;18:5. doi: 10.1186/s12948-020-00120-x. PMID: 32265597; PMCID: PMC7119288.
[3] Giambò F, Teodoro M, Costa C, Fenga C. Toxicology and Microbiota: How Do Pesticides Influence Gut Microbiota? A Review. Int J Environ Res Public Health. 2021 May 21;18(11):5510. doi: 10.3390/ijerph18115510. PMID: 34063879; PMCID: PMC8196593.
[4] https://doi.org/10.4414/saez.2021.19442, Schweiz Ärzteztg. 2021;102(03):102-104
[5] Defarge N, Spiroux de Vendômois J, Séralini GE. Toxicity of formulants and heavy metals in glyphosate-based herbicides and other pesticides. Toxicol Rep. 2017 Dec 30;5:156-163. doi: 10.1016/j.toxrep.2017.12.025. PMID: 29321978; PMCID: PMC5756058.
[6] IPBES (2019): Global assessment report on biodiversity and ecosystem services of the Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services. E. S. Brondizio, J. Settele, S. DÃaz, and H. T. Ngo (editors). IPBES secretariat, Bonn, Germany. 1148 pages. https://doi.org/10.5281/zenodo.3831673
[7] Pisa LW, Amaral-Rogers V, Belzunces LP, Bonmatin JM, Downs CA, Goulson D, Kreutzweiser DP, Krupke C, Liess M, McField M, Morrissey CA, Noome DA, Settele J, Simon-Delso N, Stark JD, Van der Sluijs JP, Van Dyck H, Wiemers M. Effects of neonicotinoids and fipronil on non-target invertebrates. Environ Sci Pollut Res Int. 2015 Jan;22(1):68-102. doi: 10.1007/s11356-014-3471-x. Epub 2014 Sep 17. PMID: 25223353; PMCID: PMC4284392.
[8] https://www.bund.net/umweltgifte/pestizide/bienen-und-pestizide/
[9] Mnif W, Hassine AI, Bouaziz A, Bartegi A, Thomas O, Roig B. Effect of endocrine disruptor pesticides: a review. Int J Environ Res Public Health. 2011 Jun;8(6):2265-303. doi: 10.3390/ijerph8062265. Epub 2011 Jun 17. PMID: 21776230; PMCID: PMC3138025.
[10] Pu Y, Yang J, Chang L, Qu Y, Wang S, Zhang K, Xiong Z, Zhang J, Tan Y, Wang X, Fujita Y, Ishima T, Wang D, Hwang SH, Hammock BD, Hashimoto K. Maternal glyphosate exposure causes autism-like behaviors in offspring through increased expression of soluble epoxide hydrolase. Proc Natl Acad Sci U S A. 2020 May 26;117(21):11753-11759. doi: 10.1073/pnas.1922287117. Epub 2020 May 12. Erratum in: Proc Natl Acad Sci U S A. 2021 Feb 2;118(5): PMID: 32398374; PMCID: PMC7260984.
[11] Baltazar MT, Dinis-Oliveira RJ, de Lourdes Bastos M, Tsatsakis AM, Duarte JA, Carvalho F. Pesticides exposure as etiological factors of Parkinson‘s disease and other neurodegenerative diseases–a mechanistic approach. Toxicol Lett. 2014 Oct 15;230(2):85-103. doi: 10.1016/j.toxlet.2014.01.039. Epub 2014 Feb 3. PMID: 24503016.
[12] Evangelou E, Ntritsos G, Chondrogiorgi M, Kavvoura FK, Hernández AF, Ntzani EE, Tzoulaki I. Exposure to pesticides and diabetes: A systematic review and meta-analysis. Environ Int. 2016 May;91:60-8. doi: 10.1016/j.envint.2016.02.013. Epub 2016 Feb 22. PMID: 26909814.
[13] Mostafalou S, Abdollahi M. Pesticides: an update of human exposure and toxicity. Arch Toxicol. 2017 Feb;91(2):549-599. doi: 10.1007/s00204-016-1849-x. Epub 2016 Oct 8. PMID: 27722929.