Oregano als Medizin: Wie das Küchenkraut Ihr Wohlbefinden stärkt
Von Barbara Simonsohn
Oregano eroberte als Pizzakraut die Welt. Oregano oder der wilde Majoran ist nicht nur ein beliebtes Küchenkraut zum Würzen von Pizza, Pasta und Co, sondern auch ein äusserst potentes Heilkraut.
Das Küchenkraut steckt voller Antioxidantien, Vitaminen und Mineralstoffen, die das Immunsystem stärken, Entzündungen eindämmen und vor chronischen Krankheiten schützen. Besondere Inhaltsstoffe wirken gegen pathogene Bakterien, Viren und Pilze und schützen damit vor Infektionen.
Oregano-Öl wird als Heilmittel für Atemwegserkrankungen, Verdauungsstörungen und Hautproblemen verwendet. Darüber hinaus hilft Oregano beim Abnehmen, verbessert die Verdauung und lindert Menstruationsschmerzen.
Auf Sardinien leben besonders viele Hundertjährige, die Insel gilt daher als Blue Zone. Tee aus Oregano oder wildem Majoran ist dort DAS Getränk der Einheimischen und auch ein beliebtes Gartenkraut, neben Rosmarin, Salbei, Lavendel und Thymian.
Von Hippokrates bis heute: Oregano in der Heilkunst
Oregano oder Dost oder der Wilde Majoran gehören zu den antibakteriell wirkenden Pflanzen oder Phytobiotika, die schon seit Jahrtausenden zum Beispiel äusserlich zur Wundheilung eingesetzt wurden.
Schon im alten Griechenland wurde er als Heilpflanze verwendet, wie der griechische Arzt und Pharmakologe Dioscurides in seinem Werk „De Materia Medica“ aus dem ersten Jahrhundert nach Christus dokumentierte. Dioskurides hatte als Militärarzt häufig Wundversorgungen durchzuführen. Hippokrates von Kos nutzte die Pflanze schon etwa 500 Jahre vor Dioscurides zur Heilung von Hämorrhoiden und zur Einleitung von Geburten
Oregano und Dost: Heilkräftige Lippenblütler mit langer Tradition
Die botanische Origanum-Gattung umfasst etwa 40 Pflanzen. Dazu zählt der heimische Dost oder Origanum vulgare und der griechische Oregano mit weissen Blüten, Origanum vulgare subsp. viridulum, das klassische Pizzakraut, und auch der Echte Majoran Origanum majorana.
Der Dost oder der Wilde Majoran oder Oregano ist der heilkräftigste und kommt bei uns auch häufig wild vor. Oregano gehört zu den Lippenblütlern und ist eine Staude, die bis zu fünfzig Zentimeter hochwächst. Die Stängel sind vierkantig und rötlich angelaufen. Die behaarten Blätter sind breit und gegenständig angeordnet. Hält man ein Blatt gegen das Licht, sieht man die vielen Öldrüsen, ein Reservoir an ätherischen Ölen. Die weissen, purpurfarbenen oder rosa Blüten stehen in trugdoldigen Rispen.
Sein charakteristisches Aroma hat den Oregano als Küchengewürz zum Beispiel für Pizzen beliebt gemacht. Aufgrund ähnlicher Inhaltsstoffe mit dem nahe verwandten Majoran wird Oregano auch als „Wilder Majoran“ bezeichnet, wobei Oregano deutlich wirksamer ist.
Oregano ist in ganz Mitteleuropa auf Kalk- und Kiesböden heimisch. Als „Bergglanz“ ziert der wildwachsene Oregano Griechenlands karge Hänge.
Ernten Sie Oregano, wenn er blüht, dann enthält er die meisten Inhaltsstoffe, trocknen Sie ihn als Vorrat. Im Gegensatz zu vielen anderen Küchenkräutern – auch dem verwandten Majoran – wird Oregano mitgekocht. Majoran sollte man vor der Blüte ernten.
Starke Inhaltsstoffe im Oregano: Carvacrol, Thymol und ihre therapeutische Wirkung
Oregano enthält bis zu 1,5 Prozent ätherische Öle. Der Hauptbestandteil ist das Terpenpheonol Carvacrol, in einigen Chemotypen überwiegt jedoch Thymol.
Beide ätherische Öle haben eine starke antibiotische und fungizide Wirkung. Carvacrol wirkt auch antiviral zum Beispiel gegen Noroviren. Neben dem ätherischen Öl enthält Oregano Flavonoide wie Apigenin, Rosmarinsäure und Vanillinsäure sowie Treterpensäuren wie Oleanolsäure sowie Tannine oder Gerbstoffe.
Vielseitiger Helfer: Oregano gegen Pilze, Bakterien und Entzündungen
Oregano wird als Tee oder pulverisiert bei Magen-Darm-Problemen und Atemwegsbeschwerden eingesetzt. Auch bei Harnwegsentzündungen und rheumatischen Beschwerden sowie zum Gurgeln bei Mundschleimhaut- und Halsentzündungen kann er verwendet werden.
Das Küchenkraut stärkt das Immunsystem und lindert Bauchkrämpfe, Unterleibsschmerzen und Husten.
Die Gerbstoffe in der Pflanze haben eine zusammenziehende Wirkung auf Haut und Schleimhäute und verhindern damit ein Eindringen von Bakterien und Giftstoffen. Innerlich und äusserlich wirkt Oregano antimykotisch, gegen pathogene Pilze, also zum Beispiel gegen den Darm- und Genitalpilz Candida albicans oder gegen Fuss- und Nagelpilz.
Oregano hilft bei Blasenentzündungen und wirkt stimmungsaufhellend. Die moderne Pflanzenheilkunde nutzt Oregano als Tee gegen krampfartige Magen- und Darmbeschwerden. Die starke antioxidative Wirkung von Oregano beruht vor allem auf Rosmarinsäure, die antibakterielle, entzündungshemmende, antioxidative und antivirale Eigenschaften besitzt (vgl. Dr. James Duke, „Die Grüne Apotheke“, Rodale Gesundheitsbücher, 1997).
21 beeindruckende Wirkungen von Oregano für Ihre Gesundheit
- antioxidativ
- antibakteriell
- antiviral
- Anti-Krebs-Wirkung
- schleimlösend
- Magenmittel
- hilft bei Menstruationsbeschwerden
- entkrampfend bei Koliken
- entzündungshemmend
- Erkältungs- und Grippemittel
- verbessert die Insulinresistenz
- stimmungsaufhellend in der Aromatherapie
- hilft bei nervösen Unruhezuständen (Tee und in der Duftlampe)
- wundheilend (verdünntes Öl)
- hilft bei Warzen
- hilft bei Schuppenflechte
- der Duft vertreibt Stechmücken
- antimykotisch (gegen Pilze)
- hilft bei Blasenentzündungen
- krampflösend
- schlaffördernd
So wenden Sie Oregano an
Oregano und Majoran lassen sich frisch oder getrocknet als Tee verwenden. Der milde Geschmack von Oregano kommt in der Regel auch bei Kindern gut an.
Oreganotee ist ein gutes Gurgelwasser bei Halsschmerzen. Sie können aus getrocknetem Orgeanotee auch ein Schlafkissen herstellen, das Sie als Einschlafhilfe unters Kopfkissen legen.
Medizin aus der Küche
Oregano passt zu Kartoffel- und Kürbisgerichten, Bratkartoffeln, Eierspeisen, Nudeln, Pizza und Linsengerichten und Süssspeisen. Er macht Fettiges leichter verdaulich.
Mit einem Oreganozweig lässt sich Speiseöl aromatisieren.
Raspeln Sie getrocknete Blüten und Blätter des Oregano mit der Schale einer Biozitrone fein. Vermischen Sie diese Zutaten mit grobem Steinsalz und verwenden Sie dies als Kräutersalz.
Oregano und Majoran im eigenen Garten oder auf dem Balkon
Der Echte Majoran ist nicht frosthart und wird daher bei uns einjährig gezogen und im Mai ins Freiland gesät. Sein Aroma ist süsslich-lieblich.
Der Griechische Oregano Origanum vulgare subsp. viridulum und unser heimischer Oregano Origanum vulgaris mit herberem Aroma sind winterhart und brauchen einen sonnigen Platz. Der Geschmack und Duft liegt irgendwo zwischen Majoran und Minze.
Oregano liebt es sonnig, toleriert aber auch Halbschatten. Der Sizilianische Oregano Origanum X majoricum ist eine Kreuzung beider Pflanzen, der Geschmack liegt etwas mehr bei Majoran, und er ist wie unser heimischer Oregano winterhart.
Pflanzzeit der Jungpflanzen ist April und Mai. Als eine der wenigen Kräuter gedeiht Oregano auf einem Südbalkon. Oregano ist ein wahrer Insektenmagnet und zieht neben Bienen, Wildbienen und Schwebfliegen vor allem Schmetterlinge an wie Schachbrettfalter, Schwalbenschwanz, Bläulinge oder den Purpurbär. Man könnte ihn als „Mini-Schmetterlingsbaum“ betrachten.
Oregano wächst bei uns auch häufig wild.
Was sagt die Wissenschaft zum Oregano?
In einer Untersuchung wurde festgestellt, dass das antioxidative Potential von Oregano in erster Linie auf die Polyphenole zurückzuführen ist, und am dominantesten ist Rosmarinsäure, dann folgen Luteolin, Chikoreesäure, Kumarin und Quercetin. Die gesundheitlichen Vorzüge der Pflanze wie Diabetesprophylaxe, antivirales Potential, krebsvorbeugend und antientzündlich sehen die Forscher in diesem Zusammenhang (vgl. Gh. J. Khorsand u.a., „Natural diversity in phenolic components and antioxidant properties of oregano (Origanum vulgare L.) accessions, grown under the same conditions“, Scientific Reports (2022) 12:5813).
In einer Untersuchung aus dem Jahr 2019 wurde die Wirkung von Oregano-Extrakt und –Öl auf die Konservierung von Lebensmitteln und für die Gesundheit im Magen-Darmbereich untersucht. Oregano zeigte sich effektiv in der Haltbarmachung von Lebensmitteln wie Trockenfleisch, was schon im alten Rom bekannt war. Er verbesserte gleichzeitig die Darmgesundheit der Konsumenten, indem die Polyphenole in Oregano antientzündlich wirkten (vgl. J. P. Veenstra und J. J. Johnson, „Oregano (Origanum vulgare) extract for food preservation and improvement in gastrointestinal health“, Int J Nutr. 2019; 3(4): 43-52).
Antikrebswirkung, antientzündliche und antioxidative Wirkung
Ein Update der bioaktiven Wirkungen von Oregano stellten die Forscher Pezzani, Vitalini und Iriti von der Universität Mailand zusammen. Im Fokus standen die Antikrebswirkung, die antientzündliche und antioxidative Wirkung und die gegen pathogene Keime jeder Art. Krebs ist die zweithäufigste Todesursache in den westlichen Industrieländern. Rosmarinsäure und weitere Polyphenole begünstigen ein Selbstmordprogramm der Krebszelle, behindern das Wachstum der Krebszelle, und verhindern ihre Vermehrung.
Dabei wirken die Inhaltsstoffe von Oregano selektiv, das heisst, nur auf Krebszellen, nicht auf normale Körperzellen. Im Tierversuch wurde das Auftreten von Krebs in der Oregano-Gruppe um 55 Prozent gegenüber der Vergleichsgruppe reduziert, und die Tumorgrösse um 44 Prozent. Oregano-Extrakte und –Öl erwiesen sich als wirksam sowohl gegen pathogene gram-negative als auch gegen gram-positive Bakterien sowie gegen multiresistente E. coli-Kulturen. Das Wachstum von Candida albicans-Pilzen und Schimmelpilzen wie Aspergillus flavus wurde signifikant reduziert. Auch gegenüber Hepatitis-A- und anderen Viren waren Extrakte aus Oregano wirksam (vgl. Übersichtsstudie von R. Pezzani, S. Vitalini und M. Iriti, „Bioactivities of Oreganum vulgare L.: an update“, Phytochem Rev, Springer, veröffentlicht am 27.9. 2017).
Origanum vulgaris herba gegen MRSA
In einem Test, dem fast 100 Pflanzen der Minz-Familie unterzogen wurde, war das „Pizzakraut“ Oregano dasjenige, das insgesamt die höchste antioxidative Wirkung von allen untersuchten Pflanzen hatte (vgl. James Duke, a.a.O., S. ). Beim Öl einer Unterart von Oregano aus der Himalaya-Region wurde 2008 eine antimikrobielle Wirkung gegen antibiotikaresistente Krankenhauskeime MRSA festgestellt (vgl. C. Paddock, „Himalayan Oregano Effective Against MRSA“, Medical News Today vom 24.11.2008,). Vyv Salisbury bekam 2008 einen namhaften Förderpreis für dieses Forschungsprojekt („Scientists win SEED award for Himalayan oregano project).
Ein Extrakt des Krautes vom wilden Oregano – Origanum vulgaris herba – zusammen mit Blättern einer Wildform der Schwarzen Johannisbeere zeigten eine bakteriostatische Wirkung gegenüber MRSA-Keimen (vgl. O. Planz u.a., „Wirksamkeit von Kremo 058 gegen Methicillin-resistente Staphylococcus-aureus-Bakterienstämme“, Zeitschrift für Phytotherapie, Supplement S1: Phytokongress 2013, 34(1), S. 26-27). Multiresistente Krankenhauskeime sind ein grosses Problem mit zunehmender Tendenz, man schätzt die jährlich dadurch verursachten Todesfälle auf mehr als 40’000 allein in Deutschland (vgl. Artikel „MRSA Krankenhauskeime“ im „Paracelsus Magazin“, Ausgabe 1/2015).
Eine Arbeit des Bundesinstituts für Risikobewertung ergab, dass bereits etwa 30 Prozent der Bevölkerung – darunter auch Krankenhauspersonal – den MRSA-Keim auf der Haut und im Nasen-Rachen-Raum tragen, ohne es zu wissen. Die starke antimikrobielle Aktivität sowohl gegenüber community-assoziierter als auch hospital-assoziierter MRSA wurde von Professor Dr. Jens-Martin Träder von der Universität Lübeck in einer Pilotstudie bestätigt. Nach nur drei Wochen waren alle mit MRSA belasteten Patienten MRSA-negativ, und dieser Effekt hielt auch nach zwölf Monaten noch an (vgl. Jens-Martin Träder, „Kremo 058 als Phytotherapie bei Infektionen mit MRSA“ ).
Der Extrakt aus Oregano und Blättern der Schwarzen Johannisbeere schützt durch seine Polyphenole auch vor Zahnerosion (vgl. M. T. Weger u.a., (2005), „Application of Plant Extracts for the Prevention of Dental Erosion: An in situ/ in vitro Study“, Caries Res., 49(5): 477-487).
Autorin Barbara Simonsohn
Barbara Simonsohn (Jahrgang 1954) studierte Sozialwissenschaften und schloss ihr Studium als Politologin ab. Zehn Jahre hintereinander war sie in der Findhorn-Gemeinschaft in Schottland, wo sie nicht nur im Garten mitarbeitete, sondern auch einige ganzheitliche Heilmethoden lernte.
Sie ist Ernährungsberaterin, Expertin für “Super-Foods”, Reiki-Ausbilderin und Autorin zahlreicher Bücher.
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