Gelb, gesund und vielseitig: Löwenzahn als Naturheilmittel
Von Ursula Anderhalden
Der botanische Name des Löwenzahns lautet Taraxacum officinale. Im Volksmund ist diese Pflanze unter vielen weiteren Bezeichnungen bekannt, darunter Kettenblume, Chrottepösche, Saublume, Kuhblume, Eierpunsch und Pusteblume – um nur einige der rund 500 verschiedenen Namen zu nennen. Der Löwenzahn wird auch “Bettpisser” genannt, da er eine stark harntreibende Wirkung hat.
Der goldblühende Löwenzahnteppich auf unseren Wiesen Anfang Mai kündigt den Frühling in seiner ganzen Pracht an und das Versprechen des nahenden Sommers liegt in der Luft.
3'000 Samen pro Jahr: Die Erfolgsgeschichte einer unscheinbaren Pflanze
Die Chinesen waren die ersten, die den Löwenzahn als Heilpflanze in ihren Kräuterbüchern registrierten. Bei uns taucht er erst in den Kräuterbüchern des 16. Jahrhunderts auf.
Der botanische Name Taraxacum kann man entweder aus dem Griechischen oder aus dem Arabischen ableiten: Griechisch «taraxo» (die Störung) und «akos» (das Heilmittel), beziehungsweise «taraxacis» (Entzündung) und «akéo mai» (ich heile). Oder arabisch «tarak» und «sahha» (Wasserlassen) beziehungsweise «talkh chakok» (bittere Wurzel); alle diese Namen haben ihre Berechtigung.
Der Löwenzahn ist eine Allerweltspflanze, er ist auf allen Kontinenten in der gemässigten Klimazone beheimatet und – zumindest in unseren Breiten – jedem Kind bekannt. Die anpassungsfähige Pflanze hat eine kräftige Pfahlwurzel und vermag mit ihrer Wuchskraft sogar Asphalt zu sprengen.
Die «gezähnten» Blätter sind rosettenartig angeordnet und, je nach Standort, kleiner und stark gezähnt (sonnig) oder grösser und nahezu ganzrandig (schattig). Daraus wächst der milchsafthaltige, hohle Stängel und präsentiert die Blütenkörbchen der Sonne. Jede Pflanze schickt 3’000 Samen pro Jahr durch die Welt.
Eine Reise durch die Mythologie und Heilkunst des Löwenzahns
Einer griechischen Sage nach hat die Göttin Hekate, eine «Herrin über Geburt und Tod» den Helden Theseus mit Löwenzahn bewirtet. Daher sollen dem Volksbrauch nach Löwenzahnwurzeln am besten im November gesammelt werden, dem Monat der Göttin Hekate.
Bei Augenerkrankungen sollte ein um den Hals getragenes Amulett aus Löwenzahnwurzeln helfen. Wobei die Wurzeln an Bartholomaei (jährlich am 24. August) ausgegraben werden müssen.
Um Zahnschmerzen zu lindern, wurden Löwenzahnblätter aufgehängt. Sobald diese getrocknet waren, sollten auch die Zahnschmerzen verschwunden gewesen sein.
Warzen vertrieb man früher, indem man den Milchsaft im dritten Tage des abnehmenden Mondes anwendete.
Wer die ersten 3 Löwenzahnknospen isst, soll das ganze Jahr über gesund bleiben.
Auch wurde viel mit dem Löwenzahn orakelt, so viele Fruchtstände an der Kleidung hingen, so viele Sünden habe derjenige oder so viele Fruchtstände übrig waren, so viele Jahre dauert es bis man heiratet.
In der Nacht vor Allerheiligen wurde er für Weissagungen und Totenbeschwörungen verräuchert. Hier war er eine starke Schutzpflanze, die vor Hexen, bösen Geistern und Dämonen schützte. Nach altem Hexenglauben erfüllte sich jeder Wunsch, wenn man sich den Körper mit Löwenzahn abrieb.
Im Liebeszauber galt er als Pflanze der Venus. Wer sich mit Löwenzahnmilch wusch, sollte für andere Menschen schön wirken. Er symbolisiert das Leben, Sterben und die Vergänglichkeit.
Leider wird der Löwenzahn immer noch als Unkraut bezeichnet. Dabei bringen seine Wurzeln Nährstoffe und Spurenelemente aus den Tiefen des Bodens nach oben. Diese Stoffe kommen auch den umliegenden Pflanzen zugute. Doch nicht nur seine Schönheit und Wandlungsfähigkeit belehrt uns, ihn nicht mehr als Unkraut zu beschimpfen, sondern wir lernen ihn zu schätzen, wenn wir um seine grossen Heilkräfte wissen, die in ihm stecken.
Er enthält vieles, was unserem Körper guttut: Bitterstoffe, Cholin, Inulin, viele Mineralstoffe wie Kalzium, Natrium, Kieselsäure, Schwefel, Kalium etc.
Frühlingskur mit Löwenzahn für Leber, Galle und Darm
Die Hauptwirkung des bitteren Löwenzahns liegt im Leber-Gallen-Bereich. Er gilt als wichtiges Ausleitungsmittel zur Entgiftung über die Leber. Die Bitterstoffe regen die Gallenproduktion in der Leber an und fördern den Gallenabfluss. Das ist besonders spürbar bei Fettunverträglichkeiten, Verdauungsstörungen mit Verstopfung und Blähungen, aber auch bei Müdigkeit, die durch eine ungenügende Leberfunktion bedingt ist.
Bitterstoffe helfen zudem, Nährstoffe aus dem Darm besser ins Blut aufzunehmen.
Bei schwachen und erschöpften Menschen helfen die Bitterstoffe zum Ausgleich der körperlichen und seelischen Stimmungslage. Sie stärken auch die Herztätigkeit und kräftigen den gesamten Organismus.
Cholin wirkt auf die Gallenblase und den Darm. Er kann die Dickdarmschleimhaut anregen, weshalb er leicht abführend wirkt.
Im Frühling können wir besonders seine blutreinigende Kraft brauchen, sie belebt den Körper, verbessert die Darmtätigkeit, regt Leber, Galle, Nieren und Blase an. Jetzt enthalten seine Blätter viel Vitamin C. Gerade im Frühling sollten wir ihn oft als Salat geniessen.
Der Löwenzahn hat noch weitere gute Eigenschaften. Er kann unsere Nieren anregen, harnpflichtige Stoffe aus dem Körper ausscheiden, er wirkt entwässernd und hilft so bei chronischen, rheumatischen und arthritischen Beschwerden und Erkrankungen. So ist der Löwenzahn eine Heilpflanze bei allen Leber- und Gallenstörungen.
Er sollte jedoch nicht bei Verschluss und Entzündungen der Gallenwege, bei Gallensteinen und bei Verdacht auf einen Darmverschluss angewandt werden.
Löwenzahn-Heilmittel selber machen: Einfache Rezepte für zu Hause
Tee
Giessen Sie 1-2 Teelöffel der Blätter mit Wurzel mit einer Tasse heißem Wasser auf und lassen Sie den Tee 10 Minuten ziehen. Trinken Sie für eine Kur von 4-6 Wochen täglich drei Tassen.
Selbst hergestellte Tinktur
Schneiden Sie die frisch geerntete Löwenzahnwurzel und füllen Sie ein Schraubglas bis zu einem Drittel damit.
Überbrühen Sie die Wurzel mit 40%igem Alkohol (z.B. Vodka). Verschliessen Sie das Glas und lassen Sie es drei Wochen an einem dunklen Ort ziehen. Schütteln Sie das Glas gelegentlich. Nach drei Wochen seihen Sie die Tinktur ab und füllen sie in eine dunkle Tropfflasche.
Nehmen Sie dreimal täglich 15 bis 20 Tropfen über einen Zeitraum von 4-6 Wochen ein.
Löwenzahntinktur ist auch in Drogerien und Apotheken erhältlich. Für eine Kur von 4 Wochen: 3-mal täglich die empfohlene Dosierung (unterscheidet sich vom Hersteller) mit etwas Wasser einnehmen.
Löwenzahnknospen
Sammeln Sie im Frühling die kleinen, geschlossenen Löwenzahnknospen direkt von der Blattrosette. Erhitzen Sie etwas Olivenöl in einer Pfanne und braten Sie die Knospen kurz an. Würzen Sie sie mit Kräutersalz und geniessen Sie sie als leckeren Snack oder als besondere Salatgarnitur.
Löwenzahnhonig
🌼 6 handvoll frische Löwenzahnblüten
🍋 1 unbehandelte Zitrone
🍊 1 unbehandelte Orange
💎 1 kg Zucker
💧 2 Liter Wasser
Legen Sie die Blüten zusammen mit den in Stücke geschnittenen Zitrusfrüchten in kaltes Wasser und lassen Sie alles über Nacht zugedeckt ziehen.
Am nächsten Tag kochen Sie alles auf und seihen Sie die Mischung anschliessend durch. Pressen Sie das Fruchtfleisch gut aus.
Rühren Sie nun den Zucker unter und kochen Sie die Masse so lange, bis sie eindickt und Fäden zieht. Füllen Sie den heissen Aufstrich in saubere Gläser.
Für Gelee als Brotaufstrich können Sie auch Gelierzucker verwenden. Die Masse nicht bis Honig-, sondern Geleekonsistenz, also kürzer kochen.
Autorin Ursula Anderhalden
Ursula Anderhalden ist Dipl. Phytotherapeutin, Dipl. Pflegefachfrau HF und hat diverse Aus- und Weiterbildungen in der Aroma-Massage, Osmologie, Bachblüten und viele mehr.