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Heilkunde

Kamille entzündungshemmend anwenden

Heilpflanze Kamille entzündungshemmend

Von Barbara Simonsohn

Entzündungen sind ein grosses Gesundheitsrisiko. An etwa 60 Prozent aller Todesfälle sind entzündliche Prozesse beteiligt. Akute Entzündungen sind etwas Gutes, um pathogene Keime oder Fremdkörper zu eliminieren. Werden diese aber chronisch, tragen sie zur Entstehung von Diabetes Typ 2 oder Krebs bei. Kamille wirkt entzündungshemmend und zählt zu den am besten erforschten Heilpflanzen überhaupt

Typische Entzündungskrankheiten sind Rheuma und Gicht. Das Immunsystem ist überfordert und kann beim Kontakt mit Viren oder Bakterien keine adäquate Immunantwort geben. Antientzündliche Medikamente wie Ibuprofen, ASS oder Cortisol haben teils gravierende Nebenwirkungen, nicht nur für den Magen, sondern sie erhöhen signifikant das Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt. 

Es gibt Gott sei Dank im Pflanzenreich, direkt vor unserer Tür, nebenwirkungsfreie Heilpflanzen wie die Kamille als Alternative, welche Schmerzen lindern, aber vor allem Entzündungen ursächlich zum Ausheilen bringen können.

🧐 Eine der best erforschten Heilpflanzen der Welt

Die Kamille hatte die Ehre, 2025 von der «International Herb Association», der internationalen Kräuter-Vereinigung der USA, zur «Pflanze des Jahres» gekürt zu werden. Schon 1987 bekam sie bei uns den Titel «Arzneipflanze des Jahres». 

Die Kamille, lateinisch Matricaria chamomilla, bezeichnet die Echte «deutsche» Kamille, wie sie in englischsprachigen Ländern genannt wird. Die Kamille ist wahrscheinlich die am sorgfältigsten erforschte Heilpflanze überhaupt.

🌱 Botanik und Herkunft: Die Kamille im Porträt

Die Echte Kamille, im Folgenden Kamille genannt, gehört zur Familie der Korbblütler, ist einjährig, hat etwa zwei Zentimeter grosse Blütenköpfchen und wächst bis zu einem Meter hoch. 

Volkstümliche Namen sind Frauenblume, Mutterkraut oder Mariamagdalenenkraut. Die Samen sind Lichtkeimer und können von April bis Mai ins Freiland gesät werden. Sie sollten nicht mit Erde bedeckt, sondern nur leicht angedrückt und feucht gehalten werden.

Die Kamille stammt ursprünglich aus Europa sowie dem nördlichen und westlichen Asien. Die Pflanze wird in Russland, Ungarn, Rumänien, Bulgarien und Tschechien kommerziell angebaut, sowie in der Slowakei, Deutschland, Brasilien, Argentinien und Ägypten. 

Kamille hat den GRAS-Status – generally recognized as safe – der US-amerikanischen Lebensmittelbehörde FDA inne und ist weltweit als eine so gut wie nebenwirkungsfreie und sichere Heilpflanze beliebt.

☀️ Von der Steinzeit bis heute: Antike Hochkulturen entdecken die Heilkraft der Kamille

Die Geschichte der Kamille als Heilpflanze reicht 30 000 Jahre in die Steinzeit zurück. Forscher fanden in den Höhlen von El Sidrón in der Asturias-Region von Nordspanien Bestandteile von Kamille und Schafgarbe in den Gräbern. Sie gehen anhand von DNA-Spuren an den Zähnen der Neandertaler davon aus, dass diese Frühmenschen um die Heilkraft dieser Pflanzen wussten. 

Die alten Ägypter kannten die Kamille bereits als Heilpflanze und betrachteten sie als Sonnenpflanze, dem Gott Ra gewidmet. Sie nutzten sie bei Malaria und zur Desinfektion von Wunden, und wie die alten Römer und Griechen setzten sie die Kamille bei Kopfschmerzen, Wechselfieber, Zahngeschwüren, Gelbsucht, Nierenleiden, Neuralgien, Blasenproblemen und Bauchschmerzen sowie bei ausbleibender Menstruation ein.

Heilkraft der Kamille

Im germanischen Volksglauben galt die Pflanze als heilig, weil unsere Vorfahren den gelben Blütenboden mit der Sonne assoziierten und damit mit dem Sonnengott Baldur. Sowohl Avicenna bzw. Ibn Sina als auch Dioscorides und Plinius der Ältere erwähnen die Kamille, und zwar als Entspannungsmittel und Anti-Entzündungs-Pflanze für innere und äussere Anwendungen. In der Volksmedizin gilt Kamille bis heute als «Allheilmittel».

👩🏻‍🌾 Vom Klostergarten in die Volksmedizin der ganzen Welt

Kamille gehörte zu den neun heiligen Pflanzen der Sachsen. Der Benediktinerorden führte die Pflanze in die Klostermedizin ein, vor allem in Form von Alkoholauszügen. Der britische Kräuterkundige Nicholas Culpepper empfahl im 17. Jahrhundert Kamille gegen Fieber, Verdauungsprobleme, Schmerzen, Gelenkentzündungen und Nierensteine. Weil die Pflanze seit alters her als glücksbringend betrachtet wird, wuschen früher Spieler ihre Hände vor dem Glücksspiel in Kamillentee, um Fortuna gewogen zu stimmen.

In der Volksmedizin Nordafrikas, der Türkei, von Portugal, Marokko, Italien, Bulgarien, Albanien, Serbien, Griechenland, aber auch in Ägypten, im Iran, Ungarn, Deutschland, China, den USA, Australien, Südamerika, Grossbritannien und Pakistan wird die Kamille als Heilmittel auch bei Entzündungen seit alters her geschätzt.

💪 Die Wirkstoffe der Kamille: Ein pflanzliches Kraftpaket

Bisher sind mehr als 120 gesundheitlich und medizinisch wertvolle Inhaltsstoffe in der Kamille entdeckt worden, allein 28 Terpenoide, 36 Flavonoide, Palminsäure, Linolsäure, Ölsäure und Stearinsäure. Darunter sind bioaktive Substanzen aus der Gruppe der Flavonoide, an erster Stelle das entzündungshemmende Apigenin, Glykoside, Terpene mit ihren entzündungshemmenden Wirkstoffen, welche die Zytokin-Produktion verlangsamen, Fettsäuren, Polysaccharide, Salicyl-Derivate mit schmerzlindernder Wirkung wie das Sesquiterpenalkohol Bisabolol, Tannine sowie Chamazulen, das dem ätherischen Öl der Echten Kamille seine strahlend blaue Farbe schenkt und eine vielfältige antioxidative Wirkung im Körper entfaltet. 

Die Echte Kamille enthält mehr Terpenoide, während die Römische Kamille, Chamaemelum nobile, mehr Säuren und Säure-Ester enthält. Die Echte Kamille ist heilkräftiger und hat im Gegensatz zur Römischen Kamille so gut wie kein Allergiepotenzial.

👌🏻 Bitterstoffe, Schleimstoffe und der ideale Extrakt

Haben Sie schon einmal Kamillentee zehn Minuten oder länger ziehen lassen? Dann schmeckt der Tee plötzlich nicht mehr mild und süss, sondern extrem bitter. Das liegt an den Terpenen Bisabolol, Matricin und Chamazulen sowie zahlreichen weiteren Bitterstoffen. 76 % dieser Bitterstoffe wirken antientzündlich, 44 % optimieren das Immunsystem, und 28 % wirken schmerzlindernd. Schon dies zeigt, dass die Kamille zu den potentesten Anti-Entzündungspflanzen zählt.

Weitere Inhaltsstoffe, die Entzündungen modulieren und ihren Verlauf optimieren, sind Flavonoide wie Lutein, Quercetin und Rutin, Coumarine einschliesslich Chamillin und Isoscopoletin, Polysaccharide, Gerbstoffe wie Kumarine, Schleimstoffe, welche Reizungen an der Magenschleimhaut lindern, und GABA (Gamma-Aminobuttersäure). Auch viele Inhaltsstoffe im ätherischen Öl, wie Matricin, das in Chamazulen umgewandelt wird, wirken entzündungshemmend. Forscher in den USA stellten fest, dass ältere Frauen länger lebten, wenn sie regelmässig Kamillentee tranken.

Heinz Schilcher weist in seinem Standardwerk «Die Kamille» darauf hin, dass bei der Teezubereitung ein Teil der therapeutisch wertvollen ätherischen Öle sich verflüchtigt und man besser auf den Kamillenextrakt Kamillosan zurückgreifen soll.

✋🏻 Wie Kamille Entzündungen stoppt: Der Wirkmechanismus im Körper

Kamille kann die Entwicklung von Entzündungen im Körper verhindern, und verantwortlich dafür sind verschiedene Inhaltsstoffe, die synergetisch – sich gegenseitig unterstützend – zusammenwirken. Beispielsweise kann Chamazulen die Aktivität von Leukotrienen hemmen, die Entzündungen befeuern. Leukotriene stimulieren die Produktion von entzündungsfördernden Zytokinen. Sie sind verantwortlich für die Entstehung und das Andauern von Krankheiten wie chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, Schuppenflechte, Asthma und Eierstock-Fibrose.

Die antientzündliche Wirkung von Apigenin war zehnmal höher als die von Matricin, die wiederum zehnmal höher war als jene von Chamazulen. Apigenin zeigte sich sogar den Medikamenten Indomethacin und Phenylbutazon als überlegen.

Kamille reduziert entzündungsfördernde Mediatoren, indem die Aktivität des Enzyms COX-2 reduziert wird – wichtig für die Umwandlung von Arachidonsäure in entzündungsfördernde Gewebehormone namens Prostaglandine. Kamille verringert darüber hinaus die Bildung von entzündungsfördernden Mediatoren wie dem Tumor-Nekrosefaktor Alpha und Interleukin-6.

🛡 Kamille schützt Haut und Schleimhäute

Viele weitere Inhaltsstoffe in der Kamille bremsen Entzündungen aus und reparieren geschädigtes Gewebe. Das Bisabolol im ätherischen Öl hat sich als anti-entzündlich gezeigt, besonders bei Hautproblemen, und wirkt als antioxidatives Anti-Aging-Mittel. Bisabolol wird in der Kosmetikindustrie mittlerweile auch synthetisch hergestellt, ist aber in dieser Form nur zu 50 % so wirksam wie Bisabolol aus der Pflanze. 

Kamille schu?tzt Haut und Schleimha?ute

Sowohl Wasser- als auch Alkoholauszüge sind wirksam.

Kamille hat sich als Mittel zur Heilung von Magenschleimhautentzündungen und Geschwüren bewährt, welche oft durch Anti-Entzündungs-Medikamente wie Ibuprofen oder Aspirin entstehen oder als Nebenwirkung einer Chemotherapie auftreten.

Besonders erfolgreich erwies sich die Wirkung von Chamazulen bei der sogenannten Strahlendermatitis, einer Hautentzündung, die durch Röntgenstrahlung verursacht wird.

🤧 Kamille bei Allergien und chronischen Entzündungen

Allergien können sich unterschiedlich äussern, zum Beispiel durch Heuschnupfen, Asthma und Ekzeme. Das Azulen in der Kamille stabilisiert die Aktivität von Mastzellen, die bei Kontakt mit Allergenen Histamin sowie weitere entzündungsfördernde Substanzen ausschütten, wie Studien belegen.

Bei Ekzemen hat sich die Pflanze als wirksamer als Cortisonsalbe gezeigt. Kamille bremst chronische Entzündungen aus, damit gehen auch die damit verbundenen Schmerzen zurück. Entzündete Schleimhäute, zum Beispiel bei Heuschnupfen oder Asthma, konnten schneller abheilen. Kamillentee heilt entzündete Brustwarzen, und Tee sowie alkoholische Gesamtauszüge hemmen die Geschwürbildung. Die entzündungshemmende und schmerzlindernde Wirkung übertrifft sogar jene der Medikamente Indometacin und Phenylbutazon. Als wirksamstes Flavonoid erwies sich Apigenin, danach folgen Luteolin, dann Quercetin, dann Myricetin, dann Rutin.

Zusammengefasst wirken die Inhaltsstoffe der Kamille auf verschiedenen Ebenen entzündungshemmend, indem sie den Arachidonstoffwechsel und die Histaminfreisetzung hemmen, durch die Fülle von Antioxidantien reaktive Sauerstoffderivate oder proentzündliche freie Radikale unschädlich machen und die Bildung von entzündungsfördernden Mediatoren wie Zytokinen ausbremsen. Das Allergiepotenzial der Echten Kamille spielt dabei eine ganz unbedeutende Rolle.

🔬 Was sagt die Wissenschaft? Studien zu Schleimhaut und Venen

Eine Übersichtsstudie aus dem Jahr 2025 wertet 11 randomisierte klinische Studien aus, die zwischen 2004 und 2024 durchgeführt wurden. Die Ergebnisse sind überzeugend. Der thematische Schwerpunkt waren Entzündungen der Mundschleimhaut. 

Kamillenextrakte konnten Schmerzen und Entzündungsdauer signifikant reduzieren und die Heilungsdauer vom Zahnfleisch verkürzen. Die Wundheilungsdauer wurde verkürzt, indem die Bildung von Epithelzellen angeregt wurde. Kamille zeigte sich als effektiver als Cortisonpräparate und nebenwirkungsfrei, um eine vollständige Heilung des Gewebes zu erreichen. Die Forscher resümieren, dass Kamille häufiger im Vergleich zur allopathischen Medizin als Anti-Entzündungsmittel eingesetzt werden sollte, zumal etwa 80 Prozent der Weltbevölkerung keinen Zugang zu solchen Mitteln haben und die Nebenwirkungen der schulmedizinischen Medikamente teils gravierend sind. Eine Studie, die im Oktober 2025 im Journal «Pharmaceutical Biology» erschien, bestätigt dieses Ergebnis auch für nicht-steroidale Medikamente (NSAR). Kamillenextrakte wirkten ähnlich effektiv, aber ohne deren charakteristische Nebenwirkungen.

Kamille wurde 2011 auf ihre Wirkung bei Phlebitis, also Venenentzündungen, untersucht. Die Studie ergab sogar eine bessere Wirkung als steroidale – zum Beispiel Cortison – und nicht-steroidale Medikamente wie Ibuprofen. Kamille erwies sich als nicht-toxisch und ohne Nebenwirkungen. Die Forscher empfehlen daher diese Behandlung bei Patientinnen und Patienten mit Phlebitis.

↪️ Weitere Studienergebnisse im Überblick

Eine Studie aus dem Jahr 2023 untersuchte die Wirkung eines Kamillenextrakts auf Asthmaanfälle, bei denen das Lungengewebe geschädigt werden kann. Kamille erwies sich als entzündungsmindernd durch die Reduzierung der Bildung von entzündungsfördernden Zytokinen, die für Gewebeschäden verantwortlich sind.

Eine Studie aus dem Jahr 2022 untersuchte die Wirkung einer Mischung aus dem ätherischen Öl der Kamille und Honig auf entzündliche Prozesse der Haut. Die Wirkung auf Hautentzündungen war sehr positiv, offenbar wirken die Wirkstoffe von Kamille und Honig synergetisch zusammen. Die Forscher schlagen vor, Präparate auf der Basis von Kamille als Sonnenschutz zu entwickeln sowie zur Verlangsamung von Hautalterungsprozessen und zur schnelleren Heilung von Hautentzündungen.

Äusserlich angewendet ist Kamille wirksam bei diabetischer Neuropathie, wie eine klinische Studie zeigte. Auch bei rheumatoider Arthritis zeigte sich Kamille als wirksam: Entzündungswerte, Schwellung und Schmerzen gingen in der Kamille-Gruppe signifikant zurück. Patientinnen und Patienten, die sich wegen Kniearthritis einer Operation unterziehen mussten, brauchten in der Kamille-Gruppe weniger Schmerzmittel, ihre Beweglichkeit und Belastbarkeit nahmen schneller zu als in der Vergleichsgruppe. Kamille konnte zudem die Symptome von Schuppenflechte bessern.

💛 Kamille richtig anwenden

Sie können Kamille anbauen, sammeln oder Fertigprodukte in der Apotheke erwerben. Bei Wildsammlung darauf achten, dass nicht die giftige Hundskamille gesammelt wird.

Bei Augenproblemen immer keimfreie Kamillenpräparate aus der Apotheke verwenden. Es gibt zahlreiche Haut- und Zahncremes auf Kamillebasis.

Ich empfehle, auf Reisen immer Kamillentee dabei zu haben, für gelegentliche Magenverstimmungen, und als Tonikum und zur Prophylaxe.

Buchtipp: Barbara Simonsohn, «Antientzündliche Power-Pflanzen. Chronische und stille Entzündungen heilen – und vorbeugen», Mankau 2026 (erscheint Ende Oktober 2026, Vorbestellungen sind schon jetzt möglich).

Barbara Simonsohn

Barbara Simonsohn (Jahrgang 1954) studierte Sozialwissenschaften und schloss ihr Studium als Politologin ab. Zehn Jahre hintereinander war sie in der Findhorn-Gemeinschaft in Schottland, wo sie nicht nur im Garten mitarbeitete, sondern auch einige ganzheitliche Heilmethoden lernte. 

Sie ist Ernährungsberaterin, Expertin für “Super-Foods”, Reiki-Ausbilderin und Autorin zahlreicher Bücher.

Webseite von Barbara Simonsohn

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