Heilkunde

Irisdiagnose

Irisdiagnose - Die Schlüsselmethode zur Analyse der individuellen Konstitution

Irisdiagnose – Die Schlüsselmethode zur Analyse der individuellen Konstitution

Autor: Friedemann Garvelmann – Referent, Kursleiter, Autor

Mit den Begriffen “Irisdiagnose” bzw. “Augendiagnose” wird eine Methode bezeichnet, bei der man aus spezifischen Zeichen in der Regenbogenhaut (Iris) und den anderen sichtbaren Teilen des Auges (Bindehaut, Lider, Wimpern…) Informationen über die konstitutionelle Stabilität bzw. Labilität des Gesamtorganismus bekommt.

Diese Methode ist das wichtigste analytische Verfahren der Konstitutionsmedizin, die wiederum ein Teil der Traditionellen Europäischen Naturheilkunde (TEN) ist. Sämtliche Fachgebiete der TEN bauen auf der Humoralmedizin (Vier-Säfte-Lehre nach Hippokrates) auf. Damit stellt die TEN ein eigenständiges Medizinsystem dar, dessen Denk- und Arbeitsmodell sich teilweise erheblich von dem der heutigen konventionellen Medizin unterscheidet.

Daher erlangt man durch die Irisdiagnose auch völlig andere diagnostische Ergebnisse, als dies von der konventionellen Medizin erwartet wird. Da diese Tatsache nicht allgemein bekannt ist, bestehen in der Öffentlichkeit sehr viele falsche Vorstellungen darüber, worum es bei dieser Methode geht, was sie leisten kann und was nicht.

Sie ist daher auch sehr umstritten, vor allem wohl deshalb, weil – wie schon erwähnt – an den Begriff “Diagnose” andere Erwartungen geknüpft sind, v. a. das Ziel, der aktuellen Krankheit einen Namen entsprechend der Krankheitslehre der konventionellen Medizin zu geben.

Die Rolle der Irisdiagnose in der naturheilkundlichen Behandlung

Aber genau das ist mittels der Irisdiagnostik nicht, oder nur ganz bedingt möglich. Wenn es notwendig ist, muss die Irisdiagnose mit anderen naturheilkundlichen und auch schulmedizinischen Diagnosemethoden kombiniert werden. Statt einer “Organdiagnose” liefert die Irisdiagnose Informationen über den vererbten und erworbenen gesundheitlichen Zustand des Gesamtorganismus und seiner ganz individuellen Reaktionsmuster Informationen, die mit keiner anderen Methode zu erhalten sind, die aber für eine gezielte, individuelle naturheilkundliche Behandlung von grösster Bedeutung sind, ganz besonders bei chronischen Erkrankungen.

Die traditionelle Naturheilkunde versteht Krankheit immer als Ergebnis von komplexen Störungen im Gesamtorganismus. Ziel der Irisdiagnose ist es, das Zusammenspiel der verschiedenen Faktoren, die am krankhaften (pathologischen) Geschehen beteiligt sind, zu analysieren. Jeder Mensch hat seine ganz eigene Art, auf die Reize aus seiner Umwelt zu reagieren. Dies gilt auch für die krankmachenden Reize.

Jeder Mensch neigt daher zu bestimmten Arten und Formen von Krankheiten. Man könnte dies als “Reaktionsprogramm” bezeichnen, dessen Grundlagen jeder Mensch auf seinem Lebensweg mitbekommt, das sich aber im Laufe der Zeit verändern kann: Es kann perfektioniert werden, kann sich aber auch verschlechtern – was leider sehr viel häufiger passiert.

Das typische “Reaktionsprogramm” mit seinen abgelaufenen Modifikationen, bezeichnet man als “Konstitution”. Diese Konstitution wird durch charakteristische Zeichen und Zeichenkombinationen im Auge erkennbar. Zudem gibt die Irisdiagnose Auskunft über die ”žSchwachstellen“ unseres Körpers. Auf diese Weise erhält der Irisdiagnostiker wichtige Hinweise, auf welcher Basis die aktuelle Krankheit entstanden ist.

Konstitutionstherapie basierend auf der Irisdiagnose

Beim Menschen, die an vielen unterschiedlichen Beschwerden oder Krankheiten leiden, wird durch die Irisdiagnose die gemeinsame Basis dieser Krankheiten als “roter Faden” erkennbar. Im Zentrum der diagnostischen Fragestellung steht also bei dieser Methode nicht die Krankheit selbst, sondern die Informationen zu ihrer Entstehungsgeschichte, bzw. Pathophysiologie.

Daraus wird eine sogenannte “Konstitutionstherapie” aufgebaut, die zum Ziel hat, die Effizienz der körpereigenen Abwehrsysteme zu optimieren, biologisch unsinnige Reaktionsmuster zu korrigieren, und Schwachstellen zu stabilisieren.

Die Irisdiagnose ermöglicht also nicht nur, die Zusammenhänge zu erkennen, die bei der Krankheitsentstehung entscheidend sind, sondern sie gibt auch ganz konkrete Hinweise zur Therapie. Teilweise ist es sogar möglich, das “Rezept aus dem Auge” zu erstellen, wobei meist pflanzliche und homöopathisch potenzierte Komplexmittel verwendet werden.

Folgende Zeichen werden zur Interpretation des Auges herangezogen:

  • Drei Grundkonstitutionen der Augenfarbe:
    • Blau = Lymphatische Konstitution
    • Braun = Sanguinogene Konstitution
    • Mischformen aus blauer Iris mit aufgelagerten braunen Pigmenten = Chologene Konstitution
  • Grundstruktur der Iris: Gewebe z. B. Homogene, oder gelockerte Faserstrukturen. Je gleichmässiger die Struktur, die Farbe und die Helligkeit in der Iris sind, umso stabiler ist die Konstitution der Person. Je inhomogener die Iris ist, umso krankheitsanfälliger ist dieser Mensch.
  • Einzelne Struktur Veränderungen: Geben Hinweise u. a. für Reizzustände, bis zu akuten Entzündungen, oder auch Stauungszustände im Säftefluss.
  • Helligkeitsunterschiede zirkulär und sektoral: Hell be-deutet “Überfunktion”, dunkel bedeutet “Unterfunktion” des jeweiligen Organsystems.
  • “Flocken” oder “Wolken”: Hinweise auf übermässige Feuchtigkeit im Körper, die nicht bewegt werden kann und die häufig über Haut und Schleimhäute ersatzweise ausgeschieden wird.
  • Farbveränderungen, Pigmenteinlagerungen, die von der Grundfarbe der Iris abweichen: Geben Hinweis auf Schärfenbelastung im Organismus (gemäss der Humoralmedizin).
  • “Verwischung” der Irisstruktur: Wenn Fasern in einzelnen Regionen “unscharf” wirken, kann es auf Säftestauungen hinweisen.
  • Veränderung / Vermehrung der Blutgefässe in der Bindehaut: Hinweis auf Blutstauung, auch bei allergischen Reaktionen

Die Diagnosestellung mit Irisdiagnose

Man sieht, dass nicht nur Zeichen in der Iris, sondern auch in den anderen Teilen des Auges zur Diagnosestellung herangezogen werden. Bei der Interpretation der Iris kommen zwei Systeme zum Einsatz, die in der praktischen Anwendung miteinander verknüpft werden:

Die Einteilung nach kuchenstückartigen Sektoren

Darin repräsentieren sich die Organsysteme unseres Körpers in ”žReflexzonen“ an einem definierten Ort. Dort zeigt sich an Zeichen, wie sie oben beschrieben sind, wenn ein Organsystem nicht in optimaler Weise arbeitet.

Hierin kommt ein wesentlicher Unterschied zum organ- bzw. strukturorientierten Denken der konventionellen Medizin zum Ausdruck:

Die Zeichensetzungen im Auge geben nicht den Zustand des (materiellen) Organs selbst wider, sondern dessen Fehlfunktionen im Zusammenspiel der Einzelelemente des Gesamtorganismus! So gesehen ist die Irisdiagnose eine rein funktionelle Diagnostik, die krankhafte   organische Veränderungen als Folgeerscheinungen gestörter informatorischer Regelprozesse des Gesamtorganismus versteht.

Dabei ist es wichtig, dass niemals einzelne Zeichen interpretiert werden, sondern immer mehrere im Auge sichtbare Zeichen miteinander kombiniert werden müssen, um eine Aussage machen zu können.

Die folgende Grafik zeigt, wo die Funktionalität der einzelnen Organsysteme in der Iris lokalisiert ist: 

Die Einteilung nach konzentrischen Ringen um die Pupille (= zirkuläre Topographie) der “Stoff -Wechsel” des Gesamtorganismus. Darunter fallen sowohl die chemischen Veränderungen der Substanzen, als auch deren “Ortswechsel” innerhalb des Organismus.

Sektorale Topographie (nach Organsystemen):

  • In der Krausenzone ist die Leistungsfähigkeit des Verdauungstraktes erkennbar.
  • Die Blut-Lymphzone zeigt den humoralen Zustand der fliessenden Transportsysteme zu den weiterverarbeitenden, bzw. verbrauchenden Geweben und Organen.
  • In der mittleren Ziliarzone repräsentiert sich die funktionelle Situation der eigentlichen Organe mit ihren spezifischen Aufgaben.
  • Am Rand der Iris wird die Leistungsfähigkeit der physiologischen Ausscheidungsorgane (Haut, Darm, Leber-Galle-System, Nieren, Milz) sichtbar.
  • Die Zone der “mesenchymalen Ausgleichsorgane” (Schleimhäute, Haut, Gelenkkapseln (u. a.)) wird durch Zeichensetzung erkennbar (meist Flocken (= Tophi), wenn wegen Leistungsschwäche der Ausscheidungsorgane eine “Ersatzausscheidung” über die Haut (Ekzem) und/oder Schleimhäute (Katarrh) notwendig wird.
  • Diese Erkenntnis ist ein zentrales Element der Krankheitslehre der TEN.

Die zirkuläre Topographie spiegelt den Säftehaushalt des Organismus (im Sinne der Humoralmedizin) wider und hat daher für jede Behandlung in der TEN entscheidende Bedeutung. Mit diesen Ausführungen wird deutlich, dass die Augen-, bzw. Irisdiagnose ein hochkomplexes Diagnosesystem darstellt, das für den naturheilkundlichen Therapeuten nahezu unverzichtbar ist, aber hohe fachliche Kompetenzen voraussetzt.

Eine verantwortungsbewusste, kompetente und effiziente Arbeit mit dieser Methode bedarf einer fundierten Ausbildung mit ständiger Weiterbildung. Viele TEN-Therapeut*innen arbeiten in ihren Praxen mit der Irisdiagnose. Bei Interesse informieren Sie sich am Besten über Suchmaschinen im Internet.

Über den Autor

Garvelmann Friedemann Irisdiagnose

Friedemann Garvelmann, geb. 1956, Ausbildung zum Heilpraktiker an der Josef-Angerer-Schule München 1981-84. Hauptberufliche Naturheilpraxis in Küssaberg-Kadelburg von 1985 bis 2016.

Arbeitsgrundlage ist die Traditionelle Europäische Naturheilkunde TEN mit den Schwerpunkten: Humoralmedizinische Konstitutionsmedizin auf irisdiagnostischer Basis, Heilpflanzenkunde, traditionelle Arzneitherapie, Autonosoden, Ausleitungsverfahren und Kinderheilkunde. Zudem Akupunktur und Meridiantherapie.

Seit 1988 Referent und Kursleiter in der Aus – und Weiterbildung in TEN / TEM bei verschiedenen Institutionen im gesamten deutschsprachigen Raum. Mitinitiator der Humores-Seminare: www.humores.org. Autor des augendiagnostischen Fachbuchs “Konstitutionsmedizin”, Bacopa-Verlag 2018 (ISBN: 9783903071469)

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