Gesunde Scheidenflora: Mythen und Fakten rund um die Intimhygiene
Kennen Sie das Gefühl von Unsicherheit und Unbehagen im Intimbereich? Ein leichtes Jucken, Brennen oder unangenehmer Geruch – all diese Symptome können auf eine gestörte Scheidenflora hindeuten. Fragen Sie sich, was Sie tun können, um eine gesunde Scheidenflora zu erhalten?
Viele Frauen fühlen sich im Umgang mit ihrer Vagina unsicher. Sie sind mit den komplexen Vorgängen im Intimbereich nicht vertraut und greifen oft zu Produkten, die mehr schaden als nutzen.
Einige Falschinformationen halten sich hartnäckig, wenn es um Fragen rund um die Intimhygiene geht und wie die Frau die Scheidenflora gesund hält. Wenn Frauen über Jucken, Brennen oder krümeligen Ausfluss berichten, werden sie oftmals viel zu schnell als zu wenig reinlich abgestempelt. Paradoxerweise ist meist jedoch das Gegenteil der Fall. Es ist Zeit, um mit den Mythen rund um die Intimhygiene aufzuräumen und so eine gesunde Scheidenflora zu erhalten.
Die Fakten zur gesunden Scheidenflora
Eine gesunde Scheidenflora hält Keime und Krankheitserreger fern. Ihr Gleichgewicht kann aber über zahlreiche innere und äussere Einflussfaktoren gestört werden. Wir wollen über die kursierenden Mythen aufklären und zeigen, was man vorbeugend tatsächlich tun kann, damit die Scheidenflora in ihrer Balance bleibt.
Die Vagina ist selbstreinigend mit einem fein ausgeklügelten System aus nützlichen Milchsäurebakterien, die für ein saures Scheidenmilieu sorgen und dadurch vor Infektionen schützen. Das saure Milieu der Scheide verunmöglicht es Pilzen, Viren oder anderen Bakterien sich übermässig zu vermehren. Der pH-Wert in der Scheide sollte deshalb immer im leicht sauren Bereich von etwa 4,5 liegen.
Scheidenflora aus der Balance: Die Ursachen
Wenn das Gleichgewicht der Scheidenflora gestört ist, dann herrscht ein basisches Milieu. Keime und Krankheitserreger haben dann leichtes Spiel und können eine Scheideninfektion hervorrufen. Es gibt verschiedene Ursachen dafür, dass das saure Milieu, welches Eindringlinge fernhält, gestört wird. Zu den häufigsten Ursachen zählen die Einnahme von Antibiotika, aber auch häufige Vaginalduschen und eine übertriebene Intimhygiene mit ungeeigneter Seife.

Auch ein Östrogenmangel, wie er etwa in der Menopause auftritt, kann zu einer Dysbalance führen. Das Geschlechtshormon Östrogen sorgt nämlich dafür, dass sich die Milchsäurebakterien vermehren und Milchsäure produzieren. Ebenso zählen Kondome, welche Spermizide enthalten, zu den Faktoren, die die Scheidenflora beeinträchtigen.
Eine der häufigsten Scheiden-Infektionen, die durch Ungleichgewicht der Vaginalflora entsteht, ist die bakterielle Vaginose. Diese verursacht vermehrten Ausfluss und einen fischigen Geruch, was für Betroffene sehr unangenehm ist. Jucken, Brennen oder Schmerzen und teils ein Geschwollenheitsgefühl sind Anzeichen für eine gestörte Scheidenflora und sind häufig die Folge einer Pilzinfektion.
Zu den eher seltenen Ursachen gehören Geschlechtskrankheiten wie Chlamydien oder Gonokokken. Auch diese können die Scheidenflora stören und eine Infektion auslösen.
Mythen über die gesunde Scheidenflora
Mythos 1: Nur spezielle Intimwaschlotionen eignen sich für die Intimhygiene
Zahlreiche Anbieter werben mit leicht sauren Intimwaschlotionen und krönen sie zusätzlich als besonders ”žsensitiv“ aus. Jedoch genügt klares Wasser, um den Intimbereich zu reinigen. Waschlotionen mit einem saurem pH-Wert können mit ihren enthaltenen Tensiden schützende Fettsäuren der Haut abwaschen.
Ausserdem ist es bei der Verwendung von Intimwaschlotionen wichtig darauf zu achten, dass keine irritierenden Stoffe, wie zum Beispiel Duftstoffe, enthalten sind.
Mythos 2: Joghurt-Tampon wirkt bei trockener Scheide
Vielerorts treibt sich der Mythos um, dass Joghurt-Tampon gegen Scheidentrockenheit wirksam sei. Es ist jedoch ganz klar, dass weder Joghurt- noch Öl-getränkte Tampons in die Scheide gehören. Diese wirken vaginaler Trockenheit nicht wirklich entgegen und können die Scheidenflora vielmehr stören oder eine Infektion sogar verschlimmern.
Bei vaginaler Trockenheit empfiehlt es sich hingegen auf Binden anstatt Tampons zurückzugreifen – da Tampons neben Menstruationsblut auch Scheidensekret aufsaugen. Wenn man Tampons verwendet, ist es wichtig, diese alle paar Stunden zu wechseln. Denn im Tampon können sich schädliche Bakterien allmählich vermehren.
Mythos 3: Vaginalduschen schützen vor Krankheitserreger und Keimlingen
Das Gegenteil ist der Fall: Durch Vaginalduschen werden auch die guten Milchsäurebakterien ausgespült, was zu einer Dysbalance der vaginalen Flora führen kann und dann Infektionen eher fördert. Von einer übermässigen Intimhygiene ist deshalb abzuraten, damit das feine Gleichgewicht der Scheidenflora nicht gestört wird.
Mythos 4: Probiotische Ernährung hält die Scheidenflora in Balance
Probiotische Lebensmittel wie Joghurt, Sauerkraut oder Kombucha Tee können die Bildung von Milchsäurebakterien unterstützen, weshalb oft empfohlen, diese Lebensmittel zu sich zu nehmen. Nach einer Antibiotikabehandlung macht eine probiotische Ernährung durchaus Sinn.
Eine gesunde Scheidenflora wird auch durch eine ausgewogene Ernährung gewährleistet. Besonders auf den Zuckerkonsum sollte geachtet werden. Denn wer viel Zucker isst, erhöht das Risiko an Diabetes zu erkranken. Diabetes wiederum kann das Gleichgewicht der Scheidenflora stören, wodurch dann auch die Infektanfälligkeit erhöht wird.
Pauschal lässt sich nicht sagen, wie viel Zucker OK ist, denn das hängt vom individuellen Körper ab. Wer seine Scheidenflora stärken möchte, sollte vorzugsweise auf eine zuckerarme und ballaststoffreiche Ernährung zurückgreifen.
Mythos 5: Am besten reinigt ein Waschlappen
Das ist ein grosser Trugschluss. Höchstens, man nutzt für jede Intimwäsche einen frischen oder unparfümierten Einmalwaschlappen. Letztere sind jedoch aus ökologischem Blickwinkel nicht uneingeschränkt empfehlenswert. Von mehrmaligem Verwenden von Waschlappen oder Schwämmen im Intimbereich ist abzuraten, da sie ein hervorragendes Milieu für Keime sind. Die gewünschte Reinigung könnte somit eher ins Gegenteil umschlagen.
Wertvolle Tipps, um eine gesunde Scheidenflora aufzubauen
Verzichten Sie auf Vaginalduschen: Damit werden auch die guten Milchsäurebakterien ausgespült.
Achten Sie darauf, beim Toilettengang immer von vorne nach hinten abzuwischen. Andersherum können Bakterien in die Scheide gelangen und das Scheidenmilieu beeinträchtigen.
Mehr als einmal täglich sollte man den Intimbereich nicht waschen, da damit die Balance der Scheidenflora gestört wird. Beim Waschen ist es wichtig, dass man auf eine pH-neutrale Waschlotion oder lediglich warmes Wasser zurückgreift. Normale Seifen und Duschgels sind zu basisch und zerstören wiederum die guten Milchsäurebakterien.
Synthetische Slips oder auch plastifizierte Slipeinlagen führen dazu, dass man im Intimbereich mehr schwitzt. Weil der Schweiss schlecht abtransportiert wird, kann die vaginale Flora zu feucht werden. Das Zuviel an Feuchtigkeit beeinträchtig eine gesunde Scheidenflora.