Aromatherapie: Düfte, die deine Gesundheit und dein Wohlbefinden verbessern
Stellen wir uns vor, wir könnten mit Duft unsere Stimmung beeinflussen, Schmerzen lindern und unsere Gesundheit verbessern. Ein paar Tropfen ätherisches Öl auf die Haut oder in einen Diffusor und schon umhüllt uns ein angenehmer Duft, der uns entspannt, belebt oder beruhigt. Aromatherapie macht es möglich!
Die Aromatherapie ist eine jahrtausendealte Heilkunde, die die Kraft von ätherischen Ölen nutzt, um Körper, Geist und Seele zu heilen. In diesem Blogartikel erklären wir dir, wie du diese Methode nutzen kannst, um deine Gesundheit und dein Wohlbefinden zu verbessern.
Tauche ein in die Welt der Düfte und entdecke die faszinierende Kraft der Aromatherapie!
Was ist Aromatherapie?
Der Oberbegriff Aromatherapie wurde vom französischen Chemiker und Parfümeur René-Maurice Gattefossé anfangs des zwanzigsten Jahrhunderts geprägt. Er umfasst neben der medizinischen Aromatherapie, welche als integraler Bestandteil auch die Aromapflege beinhaltet, die Aromakosmetik, Aromaküche, Aromaparfümerie und die Anwendung von ätherischen Ölen im privaten und im Wellnessbereich.
Die in der Aromatherapie eingesetzten Substanzen werden allesamt aus Pflanzenmaterial gewonnen. Je nach Gewinnungsverfahren entstehen folgende Erzeugnisse:
- Ätherische Öle und Hydrolate: Wenn Pflanzen in Wasser oder mit Wasserdampf destilliert werden, entstehen zwei Produkte. Im ätherischen Öl sind die fettlöslichen Substanzen enthalten, im Hydrolat die wasserlöslichen sowie Spuren von fettlöslichen Komponenten.
- Essenzen: Durch die Kaltpressung vom farbigen Teil der Schale von Zitrusfrüchten erhält man Essenzen.
- Resinoide: Werden durch Extraktion gewonnen, indem man Harze mit einem bestimmten Anteil Alkohol mischt und diese Mischung anschliessend filtriert.
- Absolues: Delikate Blüten werden durch Solventextraktion mit organischen Lösungsmitteln wie zum Beispiel Hexan gewonnen.
Die Aromatherapie ist somit ein Teilbereich der Phytotherapie. Mit einer klaren Beziehung zwischen Präparat und Wirkung gehört sie zur ”žregulativen Medizin“.
Dies bedeutet, dass dem Körper mit den ätherischen Ölen ein Angebot gemacht wird und dieser nimmt sich aus dem Vielstoffgemisch das, was er gerade braucht. Das erklärt auch weshalb eine Person zum Beispiel Lavendelöl als sehr entspannend und beruhigend wahrnimmt, während eine andere Person den Lavendel als anregend empfindet.
Ätherische Öle: Natürliche Helfer für Gesundheit und Wohlbefinden
Ätherische Öle sind hochkonzentrierte Duftstoffe, die aus Pflanzen gewonnen werden. Sie werden seit Jahrhunderten in der traditionellen Medizin und Aromatherapie eingesetzt, um eine Vielzahl von Beschwerden zu lindern und das allgemeine Wohlbefinden zu verbessern.
Ätherische Öle sind fettlösliche Substanzen und können flüssig, verdünnt – in Kombination mit fetten Ölen wie zum Beispiel Mandelöl oder Emulgatoren wie Vollrahm, Honig oder Andere – auch intensiv über die Haut aufgenommen werden. Die winzigen Moleküle gelangen durch das Auftragen des Körper- oder Massageöls, im Bad, via Wickel, Auflagen oder Kompressen über die Haut in die Blutkapillaren und das Lymphsystem.
Besonders effizient ist die Aufnahme, wenn die Haut warm oder stark behaart ist. Da reine ätherische Öle Vielstoffgemische sind, das bedeutet aus einer Vielzahl einzelner chemischer Inhaltsstoffe bestehen, können sie im Körper unterschiedliche Ziele ansteuern und so oft gleichzeitig mehrere Beschwerden positiv beeinflussen.
Wie wirken ätherische Öle?
Ätherische Öle können auf verschiedene Weise wirken:
- Über den Geruchssinn: Die Duftmoleküle der ätherischen Öle gelangen über die Nase in das Gehirn, wo sie verschiedene Regionen des Gehirns beeinflussen können, z. B. das limbische System, das für Emotionen und Erinnerungen zuständig ist.
- Über die Haut: Ätherische Öle können auf die Haut aufgetragen werden, wo sie in die Blutbahn gelangen und so ihre Wirkung entfalten können.
- Über die Einnahme: Einige ätherische Öle können eingenommen werden, dies sollte jedoch nur nach Rücksprache mit einem Heilpraktiker oder Aromatherapeuten erfolgen. Werden sie unsachgemäss oder regelmässig innerlich angewendet, wird dadurch unser Mikrobiom verändert und so unser Immunsystem geschwächt.
Als einfache Anwendung bei Kopfschmerzen kann ein Gemisch aus Pfefferminzöl, Alkohol und destilliertem Wasser dienen. Eine Studie von Prof. Dr. Hartmut Göbel in der Schmerzklinik Kiel zeigte, dass 10% Mentha piperita gelöst in Ethanol die gleiche Wirkung zeigt wie 1g Acetylsalicylsäure oder Paracetamol. Diese Studie bildete die Grundlage für den Euminz-Stift, welcher in jeder deutschen Apotheke erhältlich ist.
Effizienz der Aromatherapie: Warum nur wenige Tropfen genügen
Vielen ist nicht bewusst, welche grossen Mengen an Pflanzenmaterial für die Gewinnung von ätherischen Ölen benötigt werden. So sind zum Beispiel für die Gewinnung von 1 Liter reinem Melissenöl (Melissa officinalis) 7”˜000 bis 8”˜000 kg Pflanzenmaterial erforderlich!
Wenn wir diese Menge an Rohmaterial betrachten, stellen wir fest, dass reine ätherische Öle hochkonzentrierte Substanzen sind. Bei der Pfefferminze entspricht zum Beispiel 1 Tropfen ätherisches Öl zwanzig 3dl-Tassen, also 6 Liter Tee.
Anwendungen von ätherischen Ölen, welche die physiologische Dosierung von 0.1 bis maximal 3% überschreiten, können sich negativ auswirken auf die Haut, das Immunsystem oder gar zu allergischen Reaktionen führen. Oft zeigen sich diese Reaktionen nicht bei der ersten Anwendung, sondern erst nach mehrmaligem Auftragen.
Inhaltsstoffe ätherischer Öle werden, aufgrund ihrer kleinen molekularen Grösse, vom Immunsystem nicht erkannt, können sich aber im Körper sowie auf der Haut mit Proteinen verbinden und Haptene bilden, unvollkommene meist niedermolekulare Antigene. Ab diesem Moment kann das Immunsystem die Substanzen wahrnehmen und Reaktionen in unterschiedlichem Ausmass auslösen.
Ätherische Öle können zudem wie Lösungsmittel wirken, wenn sie zu hoch dosiert werden und dazu noch monoterpenreich sind. Unter die monoterpenreichen Öle fallen alle Zitrus-Essenzen aber auch alle Nadelöle, Pfeffer, Wacholder und einige weitere.
Diese Öle lösen in nicht physiologischen Dosierungen das Fett aus dem Hydrolipidmantel und schädigen bei häufiger Anwendung die Lipidschicht der Haut langfristig. Im Gegenzug eignen sich diese Öle jedoch wunderbar, auch wenn sie bereits abgelaufen sind, zum Ablösen von Etikettenrückständen auf Gläsern oder gar Kaugummiresten auf glatten Flächen. Dafür reichen 1 bis 2 Tropfen reines, unverdünntes ätherisches Öl.
Verantwortungsvolle Anwendung von ätherischen Ölen in der Aromatherapie
Ätherische Öle können als Vielstoffgemische aus mehreren hundert Inhaltsstoffen bestehen. Damit sie korrekt und nebenwirkungsfrei eingesetzt werden können, ist es wichtig die entsprechenden chemischen Gruppen und ihre Wirkungen auf den Menschen zu kennen.
Die Aromatherapie wurde lange als nicht zu ernst nehmende Anwendung belächelt und mit esoterischen, New Age Kreisen in Verbindung gebracht. In den letzten Jahren hat sich dies jedoch geändert und immer mehr Pflegeinstitutionen und Spitäler entdecken die Wirksamkeit der ätherischen Öle.
Deshalb melden sich immer mehr Pflege- und Gesundheitsfachkräfte für eine Aromatherapie / Aromapflege Ausbildung an. Auch für den privaten Bereich ist eine Grundschulung empfehlenswert, um ätherische Öle gezielt und nebenwirkungsfrei im Alltag nutzen zu können.

Sibylle Broggi-Läubli
Aromatherapeutin MIFPA und international tätig als Referentin und Dozentin im Bereich Aromatherapie, Darm- und HormongeÂsundheit. Sie ist Gründerin und Schulleiterin von Sela, Schule für integrale Gesundheit und AromaÂtherapie in Köniz bei Bern/Schweiz.