Ist 5G gefährlich? Wir gehen der Frage nach
Die 5. Generation der drahtlosen Netzwerktechnologie gilt als Segen und Fluch in einem: Bei einer flächendeckenden Anwendung dieser neuesten Generation ist sich selbst die Wissenschaft äusserst uneinig über die Auswirkungen auf den Menschen, die Tiere und die Natur im allgemeinen. Ist 5G gefährlich oder nicht?
Entwicklung der Generationen drahtloser Netzwerktechnologien
1G – 1. Generation
In der Schweiz entstand das erste analoge Natel A-Netz relativ spät, nämlich erst 1978, verglichen z.B. mit Deutschland, wo das mobile Telefonieren bereits 1958 eingeführt wurde.
Für die nächste Stufe, das Natel B im Jahr 1983, war für den Transport der Empfangseinrichtungen ein rund 12kg schwerer Koffer nötig. Erst mit der Einführung des Selbstwählnetzes Natel C, 1987, wurden die Endgeräte kompakter.
2G – 2. Generation
Der Wechsel ins Zeitalter der digitalen Mobilkommunikation erfolgte 1993 anlässlich des Genfer Autosalons. Das damals betriebene Natel D basierte auf dem europäischen GSM-Standard (Global System for Mobile Communications).
Dieser ursprüngliche GSM-Standard war vor allem auf die Sprachkommunikation ausgerichtet. Es gab nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten der mobilen Datenkommunikation. 2001 brachte GPRS (General Packet Radio Service) als Teil der GSM-Generation 2.5 eine Weiterentwicklung.
2G Mobiltelefone können in der Schweiz ab Ende 2020 nicht mehr verwendet werden.
3G – 3. Generation
Dank dem Mobilfunkstandard UMTS (Universal Mobile Telecommunication System) konnten ab 2004 mehrere Datenströme gleichzeitig gesendet und empfangen werden. Mit diesem System wurden Internetzugang und weitere multimediale Funktionen auf dem Handy eingeführt.
4G – 4. Generation
In der 4. Generation wird in der Schweiz vor allem der UMTS-Ausbau vorangetrieben und zusätzlich die neue LTE (Long Term Evolution) Technologie eingeführt. Dieser Standard ermöglicht eine grössere Bandbreite und eine höhere Geschwindigkeit im Download.
Diese Technik erfüllt mit ihrer Netzabdeckung und der Netzgeschwindigkeit momentan fast alle Bedürfnisse von Privatkunden und stellt für verschiedene alltägliche Anwendungen, zum Beispiel mobiles Streaming von Sportangeboten oder Datenaustausch über Messenger, eine ausreichende Datenrate bereit. In der Schweiz können über 90% der Bevölkerung das 4G Netz nutzen.
5G – 5. Generation
Das Bundesamt für Umwelt (Bafu) schreibt: «5G ist der Name der fünften Mobilfunkgeneration, die als New Radio bezeichnet wird. Die über das Mobilfunknetz übertragene Datenmenge verdoppelt sich jedes Jahr. Mit der Einführung der dritten Mobilfunkgeneration (3G, UMTS) Mitte der 2000er-Jahre und der vierten Generation (4G, LTE) ab 2012 konnte der Bedarf bisher abgedeckt werden.
Nun stossen diese Technologien jedoch an ihre Grenzen. Die Einführung von 5G wird für eine deutliche Erhöhung der Datenübertragungskapazitäten sorgen.»
Mehr Datenkapazität ist für einen Grossteil der Nutzer wichtiger als die Frage, ob 5G gefährlich für ihre Gesundheit sein kann.
Die Sicht der Befürworter von 5G
In der Schweiz haben drei Telekom Anbieter die Möglichkeit, die 5G Technologie anzubieten. Sie argumentieren mit einer deutlichen Verbesserung der Datenübertragungsraten. Geschwindigkeiten von bis zu 10 GBit/s sollen möglich sein. Ein hochauflösender Film liesse sich damit in rund einer Minute herunterladen. Da für diese 10 GBit/s indessen optimale Bedingungen nötig sind, fällt das Tempo im Alltag je nach Standort trotzdem geringer aus.
Es können 100-mal mehr Endgeräte gleichzeitig angeschlossen werden, wodurch die Zahl der vernetzten Gegenstände pro km2 auf eine Million steigen würde. Diese Möglichkeit, zusammen mit der gesteigerten Geschwindigkeit, macht die 5G für industrielle Anwendungen so spannend. Ein Netz, das fast in Echtzeit reagiert, kann etwa für die Vernetzung von Maschinen oder Industrierobotern in Werkhallen verwendet werden. Smart-City-Architekten, das Gesundheitswesen, Flug- und Transportgesellschaften und viele mehr wollen die Technologie nutzen.
Dieses sogenannte IoT (Internet of Things), wo sich Maschinen und Geräte auch an verschiedenen Standorten vernetzen können, wird vor allem auch die 5G benötigen. Im privaten Bereich wird das IoT für Geräte wie z.B. automatisierte Fahrzeuge, smart TV”˜s, intelligente Waschmaschinen oder Kühlschränke zur Anwendung kommen.
Die Gefahren von 5G
Schon lange ist bekannt, dass Strahlungen, und vor allem Handystrahlen, gesundheitsschädigend sind. Verschiedene Studien wurden in dieser Hinsicht weltweit durchgeführt. Eine neue Studie zum Beispiel zeigte, dass die von Handys emittierte Strahlendosis einen Einfluss auf die Funktion des zentralen Nervensystems bei Jugendlichen haben kann.
Bei dieser Studie hatte vor allem interessiert, wie sich die Strahlenbelastung auf die Gedächtnisleistung der Jugendlichen auswirkt. Aus Laborstudien ist bekannt, dass die Handystrahlung bei schlafenden Personen die Hirnströme verändern könne. Weil Schlaf und Gedächtnis eng miteinander verbunden sind, wollten die Forscher das genauer untersuchen.
Tatsächlich wurde aus der einjährigen Untersuchung ein Zusammenhang zwischen der Strahlenexposition und der Gedächtnisleistung der Jugendlichen nachgewiesen.
Die Debatte, ob 5G gefährlich ist, weil die Strahlenbelastung durch Funkantennen oder Handys Krebs verursachen könnten, ist weiterhin umstritten. Gemäss kurzfristigen Studien scheint dies nicht der Fall zu sein. Allerdings entsteht eine Krebserkrankung meist langsam. Ob Handystrahlung, insesondere im 5G-Bereich, zu Zellstörungen, Tumoren oder Fehlentwicklungen führt, lässt sich nur über weitere, sehr gründliche Langzeitstudien belegen.
Inwiefern das 5G-Netz gesundheitliche Effekte nach sich zieht, ist zum jetzigen Zeitpunkt unklar. Auch ob die 5G eine schädlichere Wirkung als die 4G hat, ist wissenschaftlich umstritten. Es herrscht in dieser Beziehung immer noch eine grosse Unsicherheit, weil auch zu den neuesten Technologien keine Langzeitstudien vorhanden sind.
Globale Standards und nationale Unterschiede bei Grenzwerten
Wie in der Schweiz gibt es weltweit in vielen Staaten verbindliche Regelungen für die erlaubte Höhe hochfrequenter elektromagnetischer Felder, die auch der Mobilfunk nutzt. Dabei orientieren sich die meisten Staaten überwiegend an den Empfehlungen der internationalen Strahlenschutzkommission.
Diese Grenzwertempfehlungen werden nicht nur von der Internationalen Strahlenschutzkommission ICNIRP selbst festgelegt, sie orientiert sich auch an zahlreichen anderen internationalen Expertengremien, die auch von der Weltgesundheitsorganisation WHO regelmässig überprüft werden.
Verschiedene Staaten, unter anderem auch die Schweiz, haben sich gegen die Grenzwertempfehlungen der ICNIRP entschieden. Dies gilt für Italien, Belgien, Liechtenstein, Luxemburg sowie Russland und Polen. Der Grund dafür ist vor allem die herrschende Unsicherheit betreffend der gesundheitlichen Schäden auf wissenschaftlicher Basis und entsprechend der Wunsch nach erhöhter Vorsorge. Die Höhe dieser Grenzwerte ist also politisch festgelegt.
Aus diesem Grund hat der Bund die Grenzwerte für die Strahlenbelastung der Funkantennen trotz entsprechender Forderungen der Mobilfunkanbieter nicht nach oben angepasst. Der Gesetzgeber in der Schweiz meint, dass es aus Praxis und Wissenschaft zwar unterschiedlich gut abgestützte Beobachtungen in beide Richtungen gebe, Gesundheitsauswirkungen aber wissenschaftlich nicht mit absoluter Sicherheit ausgeschlossen werden könnten.
Prävention und Schutz vor 5G Gefahren
Schutz vor der Strahlung der Mobilfunkantennen gibt es praktisch nicht. Je nach Wohn-, Arbeits- oder Aufenthaltsort ist man den Strahlen mehr oder weniger intensiv ausgesetzt. Und es ist klar, dass wir um diese neue Technologie über kurz oder lang nicht mehr herumkommen.
Wir können hoffen, dass sich die Wissenschaft, die Anbieter und die Politik durch den Aufschrei der Bevölkerung auch vermehrt mit dem Thema Gesundheit und Sicherheit der Bevölkerung befasst und neue Wege in dieser Beziehung findet.
Es ist jedoch bekannt, und auch klar wissenschaftlich nachgewiesen, dass die grösste Gefahr direkt vom Mobiltelefon ausgeht. Jede Person ist also prinzipiell selber in der Lage, das Risiko möglichst klein zu halten.
Wer folgende Punkte einhält, tut das Bestmögliche für seine Gesundheit in der aktuellen Situation:
- Benutzen Sie Ihr Smartphone möglichst wenig.
- Schalten Sie es über Nacht aus oder stellen Sie den Flugmodus ein.
- Nutzen Sie es wenn immer möglich nur bei guter Verbindungsqualität.
- Wenn Sie telefonieren, halten sie es einige Zentimeter vom Ohr entfernt, benutzen Sie ein Headset oder schalten Sie die Freisprechanlage ein.
- Tragen Sie das Smartphone so weit wie möglich vom Körper entfernt mit, wenn möglich nicht in der Hosentasche.
- Telefonieren Sie nicht in engen Räumen, z.B. in einem Lift.
- Moderne Geräte mit LTE oder UMTS sind strahlungsärmer als ältere Geräte, die im GSM-Standard senden.
Und wie sehen Sie das? Halten Sie 5G für gefährlich oder nicht?